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Wolfspelz’ Schicksal

 

 

Die Hierarchie der Katzen

SturmClan

 

Anführer:                     Marderstern – großer, schwarzer Kater mit braunen Streifen

 

Zweite

Anführerin:                   Ahornstreif – hellbraun getigerte Kätzin mit grünen Augen

 

Heilerin:                       Spechtflügel – hübsche, schildpattfarbene Kätzin

 

Krieger:                       (Kater und Kätzinnen ohne Junge)

                                   Storchenflügel – weiße Kätzin mit grauen Flecken

                                   Blutbad – schwarzgrauer Kater mit langen Krallen

                                   Adlerfeder – kleine, braune Kätzin mit Fell wie Adlergefieder

                                   Falterwolke – sehr kleiner, sandfarbener Kater

                                   Dachszahn – großer, schwarzer Kater mit weißem Kopf; Mentor von

Bohnenpfote

                                   Elsterkralle – breitschultriger, schwarzer Kater mit weißen Flecken

                                   Uhufeder – hellbraune Kätzin mit grünen Augen; Mentorin von

Schwanenpfote

                                   Pfirsichblüte – schildpattfarbene Kätzin mit grünen Augen; Mentorin

von Pollenpfote

                                   Tannenfell – muskulöser, dunkelbraun getigerter Kater

 

Schüler:                        (über sechs Monde alt, in der Ausbildung zum Krieger)

                                   Bohnenpfote – blaugrüne Kätzin

                                   Schwanenpfote – weißgrauer Kater

                                   Pollenpfote – weißbraune Kätzin mit dunkleren Flecken

 

Königinnen:                  (Kätzinnen, die Junge erwarten oder aufziehen)

                                   Funkenflug – hellbraune Kätzin; Mutter von Wolfsjunges und Fichtenjunges

                                   Rosensprung – cremefarbene, kräftige Kätzin; erwartet Junge

 

Älteste:                        (ehemalige Krieger und Königinnen, jetzt im Ruhestand)

                                   Eibenblatt – großer, schwarzer Kater

                                   Girschwurzel – braunschwarz gescheckte Kätzin

                                   Blütenschweif – langbeinige, schildpattfarbene Kätzin mit langem Fell

                                   Algenwuchs – schlammfarbener Kater mit struppigem Fell

MondClan

Anführerin:                   Bussardstern – große, goldbraune Kätzin

 

Zweiter

Anführer:                     Rattenzahn – grauer Kater mit struppigem Fell

 

Heiler:                          Ulmenfell – hellbrauner Kater mit bersteinfarbenen Augen

 

Krieger:                       Buschpelz – kleiner, braun gestreifter Kater

                                   Nesselstich – braune Kätzin; Mentorin von Froschpfote

                                   Kastanienpelz – breitschultriger, schwarzbraun gestreifter Kater

                                   Klettenpelz – kleine, starke Kätzin mit Narbe auf der Schulter

                                   Igellauf – dunkelgraue Kätzin

 

Königinnen:                  Meisenflug – schildpattfarbene Kätzin; erwartet Junge

 

Schüler:                        Froschpfote – kleiner, grauer Kater mit einigen leichtgrünen Stellen

 

Älteste:                        Biberzahn – rein brauner Kater mit grauen Augen

BlitzClan

Anführer:                     Zapfenstern – rotbrauner Kater mit grünen Augen

 

Zweite

Anführerin:                   Schwalbenflug – drahtige, graue Kätzin

 

Heilerin:                       Starenbach – schöne, braune Kätzin; Mentorin von Raupenpfote

 

Krieger:                       Sperberfuß – rauchgrauer Kater mit blauen Augen

                                   Milanflügel – weiße Kätzin mit leichten grauen Streifen

                                   Finkfell – braun getigerter Kater; Mentor von Eckernpfote

                                   Dinkelschweif – goldenfarbene Kätzin

                                   Sesamblüte – cremefarbene Kätzin; Mentorin von Kuckuckspfote

 

Schüler:                        Eckernpfote – dunkelrote Kätzin

                                   Kuckuckspfote – hellgrauer Kater

                                   Raupenpfote – kleiner Kater mit langem, grauem Fell

 

Älteste:                        Flohpelz – alter Kater mit grauem, verfilztem Fell

                                   Sperlingskralle – golden getupfte Kätzin mit langen Krallen

SonnenClan

 

Anführerin:                   Fenchelstern – cremefarbene, starke Kätzin mit grünen Augen

 

Zweiter

Anführer:                     Eichelfell – hellbrauner Kater mit bernsteinfarbenen Augen

 

Heilerin:                       Lauchsee – schwarzbraun getigerte Kätzin mit grünen Augen

 

Krieger:                       Wirbelwind – leichtfüßige, schnelle, hellbraune Kätzin; Mentorin von

Kressepfote

                                   Kaninchenfänger – starker, schwarzer Kater mit gelben Augen

                                   Lavendelduft – hübsche, schlanke, grau getigerte Kätzin

                                   Sojaschweif – braun gestreifter Kater mit schwarzen Pfoten

                                   Kamillenkralle – grauer Kater mit braunen Streifen

 

Königinnen:                  Gimpelflug – hellbraun getigerte Kätzin mit weißen Pfoten; Mutter von Grasjunges

 

Schüler:                        Kressepfote – cremefarbene Kätzin

 

Älteste:                        Sumpffuß – schlammfarbene Kätzin mit grauen Augen

                                   Amselsturz – schwarzgrauer Kater

                                   Fangzahn – braun gescheckter Kater mit langen Zähnen

 

Katzen außerhalb der Clans

 

Bertil – pummeliger, schwarzer Kater mit grünen Augen; Hauskätzchen

Flora – aggressive, schildpattfarbene Kätzin; Einzelläuferin

Merlin – schwarzbraun getigerter Kater mit gelben Augen und langem Fell

Nelly – rotbraun getigerte Kätzin mit weißem Bauch und Pfoten, grüne Augen; lebt im Zweibeinerort

 

Prolog

 

Leichter Wind wehte über den See und ließ die Baumkronen schwanken. Schwaches Mondlicht ließ die Wasseroberfläche geheimnisvoll leuchten.

Spechtflügel wälzte sich in ihrem Nest hin und her. Ihre Schnurrhaare zuckten. Dann schlug sie die Augen auf. Sie lag zwar in ihrem Nest, aber ihr Lager war nicht da. Sie lag in einem Wald, hoch über ihr ragten die Baumwipfel. Ein Farnwedel, der direkt neben ihr hing, stach Spechtflügel in die Flanke, ärgerlich schob sie ihn beiseite. Sogar ihr Bau war verschwunden, sie lag einfach nur in ihrem Nest mitten im Wald. Spechtflügel fiel ein geheimnisvoller Schimmer auf, der einen vertrauten Geruch verströmte. Sie erhob sich aus ihrem Nest und ging vorsichtig auf ihn zu. Der Schimmer entfernte sich. Als Spechtflügel schneller auf ihn zulief, bewegte er sich wieder von ihr weg. Schließlich jagte sie auf den Schimmer zu, dieser rauschte weg.

„Bleib hier!“, rief sie, aber der Schimmer reagierte nicht. Plötzlich formte er sich zu einer Katze und stoppte.

„Wer bist du?“, fragte Spechtflügel, verstummte aber, als sie Heckenstern, ihren früheren Anführer, erkannte. Das war zu einer Zeit, als sie noch ein unschuldiges Junges gewesen war. Verschämt verstummte sie und neigte den Kopf, aber Heckenstern legte beruhigend seine Schnauze auf ihren Kopf:

„Schon ihn Ordnung.“

„Heckenstern, wo bin ich hier, ist das der SternenClan? Und warum bin ich hier?“ Heckenstern stoppte ihren Redeschwall.

„Alles zu seiner Zeit“, sagte er schnurrend. Spechtflügel fühlte sich geborgen wie ein Junges bei seiner Mutter.

„Wie geht es dir im SturmClan?“ Spechtflügel war von Heckensterns Frage überrascht.

„Ich…äh…also…ganz gut. Die Beute läuft gut, und bislang konnte ich jede verletzte Katze behandeln.“

„Das ist gut“, erwiderte Heckenstern. „Aber die ruhigen Zeiten werden bald vorbei sein.“

„Was meinst du?“ Spechtflügel war verwirrt. Heckenstern drehte sich aber um und ging. „Warte, wie meinst du das?“, rief Spechtflügel.

Plötzlich drehte sich Heckenstern wieder zu ihr um, in seinen Augen loderte ein glühendes Feuer. „Dem SturmClan droht ein schweres Unglück! Ein junger Krieger wird geboren werden, er ist die letzte Hoffnung! Wenn er stirbt, ist alles verloren!“

Plötzlich erlosch das Feuer in Heckensterns Augen. Freundlich blickte er ihr zu, dann verschwand er endgültig. Spechtflügel war allein, nur das Rascheln der Blätter und das Plätschern des Wassers waren zu hören.

Kapitel 1

 

Mit einem Schlag war Spechtflügel wach. Sie zitterte und ihre Flanken bebten wie nach einem Sprint. Sie merkte, dass sie in ihrer Panik die Krallen wie beim Angriff ausgefahren hatte, ihr Nackenfell hatte sich aufgestellt. Immer noch voller Angst verpasste sie ihrem Fell eine schnelle Pflege. Langsam beruhigte sie sich.

„Was für ein Unglück meinte Heckenstern?“ Um sich abzulenken, überprüfte sie ihren Vorrat an Kräutern. Wacholderbeeren waren ausreichend vorhanden, genauso wie Bachminze. Allerdings wurde Schafgarbe knapp. „Ich werde noch welche sammeln müssen“, murmelte Spechtflügel.

Sie sprang vor Schreck beinahe in ihre Kräuter hinein, als mit einmal Uhufeder hinter ihr erschien:

„Spechtflügel!“, keuchte sie. „Du musst kommen!“

„Was ist?“, fragte Spechtflügel. Sie roch den Angstgeruch von Uhufeder, der ihr in Wellen entgegenschlug.

„Funkenflug! Sie bekommt ihre Jungen!“

Spechtflügel war erstarrt: Dem SturmClan droht ein schweres Unglück! Ein junger Krieger wird geboren werden, er ist die letzte Hoffnung! Wenn er stirbt, ist alles verloren! Konnte es eines dieser Jungen sein?

„Spechtflügel!“ Spechtflügel erwachte aus ihrer Starre, als Uhufeder sie panisch anschrie.

„Natürlich, ich komme!“ Sie stürmte aus dem Heilerbau und jagte zur Kinderstube, einem kleinen Busch, mit niedrigen Ästen.

„Heiliger SternenClan, wo warst du?“, rief Elsterkralle, Funkenflugs Gefährte und Vater der noch ungeborenen Jungen, mit vor Panik schriller Stimme. Funkenflug lag zitternd in einem Nest aus Federn, Moos und Blättern und erbebte gerade unter einer weiteren Wehe. Spechtflügel legte eine Pfote auf Funkenflugs Flanke.

„Sie kommen! Sie braucht Wasser!“ Elsterkralle stürzte aus der Kinderstube. Funkenflug schrie auf, als Spechtflügel ihr die Pfote auf die Flanke presste, um das Junge herauszubringen. Sie presste mit, aber das Junge kam nicht. Funkenflug riss vor Schmerz die Augen auf.

„Noch mal, Funkenflug, du schaffst das!“, versuchte Spechtflügel ihr Mut zuzusprechen. Zusammen pressten sie noch einmal. Und diesmal glitt ein kleines Bündel ins Nest. Schnell leckte Spechtflügel an der Fruchthülle, bis sie aufplatzte. Ein kleines, braungestreiftes Junges purzelte heraus und maunzte.

„Achtung, das zweite Junge kommt!“, rief Spechtflügel. Elsterkralle kam gerade mit einem riesigen Moosbündel herein, das vor Wasser triefte. Er legte es Funkenflug hin, welche gierig daran leckte. Dann, unter einem Schrei von Funkenflug, glitt das zweite Junge in das Nest. Auch dieses Junge befreite Spechtflügel von der Fruchthülle. Ein kleiner, grauer Kater mit schwarzen Streifen plumpste heraus. Beide Jungen lagen im Nest, jammerten und sperrten die kleinen Mäuler weit auf. Schnell schob Funkenflug sie mit dem Schweif an ihre Brust, wo beide gierig zu saugen begannen.

„Schön sind sie“, schnurrte sie.

„Ja“, erwiderte Elsterkralle und legte sich schnurrend neben seine Gefährtin.

„Ich denke, das hier nennen wir Fichtenjunges“, miaute Elsterkralle und deutete mit der Schwanzspitze auf das braungestreifte Junge, eine Kätzin.

„Ja. Und das andere heißt Wolfsjunges“, entgegnete Funkenflug schnurrend.

„Wolfsjunges und Fichtenjunges“, miaute Spechtflügel schnurrend. Erst jetzt bemerkte sie, wie erleichtert sie war. Zuerst hatte sie echt befürchtet, dass Funkenflug bei der Geburt sterben könnte. Erfreut atmete sie aus. Sie leckte Funkenflug einmal aufmunternd übers Ohr und ging dann.

 

Draußen im Lager fiel ihr ein, dass sie noch Schafgarbe sammeln wollte. Sie blickte sich um. Das Lager in der Senke, geschützt von Brombeersträuchern, erwachte normalerweise gerade erst, aber heute waren fast alle wach, als die Nachricht umging, dass Funkenflugs Junge kamen. Die angespannte Stimmung wurde nun, nach der erfolgreichen Geburt der zwei Jungen, durch Erleichterung und Schnurren abgelöst. Spechtflügel bemerkte Marderstern, ihren Anführer, der gerade seinen Bau, eine kleine Höhle in einer Felswand, verlassen hatte und sich nun ausgiebig streckte.

„Marderstern!“, rief Spechtflügel. Dieser sah auf.

„Guten Morgen, Spechtflügel.“ Er schaute kurz Richtung Kinderstube. „Gut gemacht“, miaute er. Spechtflügel neigte den Kopf.

„Könnten die Patrouillen vielleicht nach Schafgarbe Ausschau halten? Mein Vorrat ist fast leer.“

„Natürlich“, erwiderte Marderstern. „Ich werde Ahornstreif Bescheid geben.“

„Danke“, miaute Spechtflügel, neigte den Kopf und ging. Erst jetzt wurde ihr bewusst, dass sie hungrig war. Am Frischbeutehaufen nahm sie sich eine Wühlmaus und legte sich dann in den Eingang ihrer Höhle. Inzwischen herrschte im Lager Hochbetrieb: Bohnenpfote wurde von Storchenflügel angewiesen, den Ältesten ein Kaninchen zu bringen, was die Schülerin mit einem genervten Gesichtsausdruck quittierte. Blutbad leckte sein Fell vor dem Bau der Krieger, Ahornstreif teilte die Patrouillen ein, Dachszahn und Adlerfeder teilten sich einen Sperling und Schwanenpfote hüpfte zum Bau der Krieger, wo er seine Mentorin Uhufeder um eine Trainingsstunde bat.

Alles nimmt seinen gewohnten Lauf, dachte Spechtflügel. Als Spechtflügel sah, wie Ahornstreif mit einer Patrouille gehen wollte, sprang sie auf und lief zu ihnen.

„Ahornstreif!“

„Was?“, fragte die Zweite Anführerin und drehte sich zur Heilerin um. Spechtflügel neigte den Kopf.

„Könnte ich euch vielleicht begleiten? Dass ich dann auch noch mit nach Schafgarbe Ausschau halten könnte?“

“Nun, wir wollten sowieso danach suchen, aber du kannst gerne mitkommen.“ Ahornstreif machte eine einladende Geste mit dem Schweif.

„Danke“ Spechtflügel reihte sich mit einem höflichen Nicken in die Patrouille ein, die aus Ahornstreif, Uhufeder, Schwanenpfote und ihr bestand. Ahornstreif führte sie aus dem Lager. Zwischen den Bäumen war es kühl und schattig, weshalb auch, zum Erfreuen aller, die Beute außerhalb ihrer Löcher unterwegs war. Ahornstreif hielt an.

„Ich denke, dass wir uns hier aufteilen und alleine jagen. Schwanenpfote, du kannst ja mit Uhufeder zusammen jagen und gleichzeitig etwas trainieren.“ Schwanenpfote nickte erfreut und verschwand zusammen mit seiner Mentorin im Unterholz. Ahornstreif nickte Spechtflügel kurz zu und verschwand dann ebenfalls. Spechtflügel seufzte und machte sich dann auf die Suche nach der Schafgarbe. Sie öffnete das Maul, um die Luft zu prüfen. Der Geruch des Waldes und das Trippeln von kleinen Beutetieren strömten auf sie ein. Sie erschrak, als ihr eine Maus praktisch in die Pfoten lief. Mit einem schnellen Schlag tötete sie die Beute.

Was bin ich eigentlich, Kriegerin, oder Heilerin?, dachte Spechtflügel belustigt, als sie Erde über die Beute scharrte. Plötzlich stieg ihr der Geruch von Schafgarbe in die Nase. Schnell folgte sie dem Geruch. Auf einer kleinen Lichtung wuchsen viele Büschel Schafgarbe. Erfreut biss Spechtflügel die Stängel ab und legte sie auf einen Haufen. Einige ließ sie stehen, damit hier auch weiterhin Schafgarbe wuchs. Mit Mühe nahm sie alle Stängel ins Maul. Plötzlich tauchte Ahornstreif auf, im Maul hielt sie ein Eichhörnchen.

„Hallo“, murmelte Ahornstreif durch ein Maulvoll rotes Fell. Spechtfell nickte ihr kurz zu. Zusammen trafen sie bald auf Schwanenpfote und Uhufeder. Uhufeder hatte einige Wühler gefangen, während Schwanenpfote stolz ein Kaninchen hinter sich her zog. Spechtflügel nickte ihm anerkennend zu. Schwanenpfotes Augen leuchteten. Uhufeder schnurrte. Ahornstreif zuckte mit einem Ohr.

„Kommt, wir gehen zurück ins Lager“, miaute sie. Spechtflügel nickte und reihte sich hinter Uhufeder als Letzte ein. Schwanenpfote stolperte immer wieder fast über sein Kaninchen, hielt aber den Kopf hoch erhoben. Am Lagereingang fiel Spechtflügel ein, dass sie ihre Maus vergessen hatte.

„Mäusedreck!“, fauchte sie und spuckte die Schafgarbe aus. Ahornstreif drehte sich um:

„Was ist?“

„Ich habe vorhin eine Maus gefangen, die habe ich vergessen. Ich hol sie eben. Könntest du bitte die Schafgarbe in meine Höhle legen?“

„Natürlich“ Ahornstreif neigte den Kopf. Spechtflügel warf ihr einen dankbaren Blick und lief dann aus dem Lager. Sie prüfte die Luft und fand bald die Stelle, wo sie die Maus vergraben hatte. Gerade als sie mit der Maus im Maul zurück zum Lager laufen wollte, schien der Wind ihr zuzuflüstern. Sie drehte sich um und meinte Heckensterns Gestalt zu sehen. Eine Stimme, tief und bedrohlich, sprach zu ihr:

Dem SturmClan droht ein schweres Unglück! Ein junger Krieger wird geboren werden, er ist die letzte Hoffnung! Wenn er stirbt, ist alles verloren!

 

Spechtflügel kam mit der Maus im Maul im Lager an, die Worte der Prophezeiung halten ihr noch im Kopf.

Ein junger Krieger wird den Clan retten. Aber wer? Tannenfell? Elsterkralle? Völlig in Gedanken legte sie die Maus auf den Frischbeutehaufen.

„Na, willst du jetzt Krieger werden?“, ertönte plötzlich eine Stimme. Spechtflügel wirbelte herum. Vor ihr stand Adlerfeder.

„Hmm?“

„Die Maus ist mir in die Pfoten gelaufen!“, entgegnete Spechtflügel.

„Was für eine Maus muss das gewesen sein“, miaute Adlerfeder.

„Sei still!“, fauchte Spechtflügel belustigt.

„Komm, wir meinen es doch nicht böse“, miaute Adlerfeder und stieß Spechtflügel freundschaftlich in die Flanke. Spechtflügel sah sie belustigt an. Plötzlich erhob sich aus der Kinderstube ein Fauchen:

„Nein Wolfsjunges, du kommst sofort zurück!“ Der kleine, graue Kater hatte es irgendwie vorbei an seiner wachsamen Mutter aus der Kinderstube geschafft und schnüffelte nun im Lager herum. Anscheinend hatte er Interesse an den Kräutern von Spechtflügel gefunden, denn nun wühlte er in einem Haufen Beeren herum. Entsetzt sah Spechtflügel, dass es Todesbeeren waren.

„Wolfsjunges, nein!“ Spechtflügel sprang und stieß das Junge von den Pfoten. Wolfsjunges landete hart auf dem Boden und blieb wimmernd liegen. Spechtflügel sah ihn zitternd und schwer atmend an. Funkenflug kam aus der Kinderstube und bemerkte das schlaffe Junge.

„Wolfsjunges! Was ist passiert?“ Wolfsjunges wimmerte nur.

„Ich habe ihn gerettet“, entgegnete Spechtflügel trocken.

„Wieso, was ist passiert?“ In Funkenflugs Stimme war ein Anflug von Panik.

„Er hat in meinem Todesbeerenvorrat rumgeschnüffelt! Ich habe ihn gerettet!“ Funkenflug sah Spechtflügel entsetzt an und begann dann, Wolfsjunges zu lecken.

„Wolfsjunges, wach auf!“

„Er lebt noch“, antwortete Spechtflügel gepresst. Gemeinsam mit Funkenflug leckte sie das Junge wach.

„Wolfsjunges, hör zu, diese Beeren darfst du nie essen! Nur eine kann dich töten!“ Wolfsjunges sah Spechtflügel mit großen Augen an und nickte dann.

„Los, komm!“ Funkenflug stupste ihr neugieriges Junges zurück in Richtung Kinderstube. Spechtflügel atmete erleichtert auf.

Was, wenn Wolfsjunges der junge Krieger war, der in der Prophezeiung erwähnt wurde? Was, wenn er gestorben wäre? Was, wenn er sterben würde? Wären sie tatsächlich dann alle verloren?

 

 

 

Kapitel 2

 

In der Kinderstube legte sich Wolfsjunges gleich hin, der Schock, über das, was gerade passiert war, war noch zu groß. Er zitterte am ganzen Körper. Spechtflügel hatte ihn angefaucht, dass er niemals, diese komischen Beeren essen dürfe! Sie hatte ihm Angst gemacht. Aber das Lager war so groß und aufregend, zu aufregend, um einfach in der Kinderstube zu bleiben. Die weite Sandfläche, die Felsen auf denen sich Katzen sonnten und der Schutzwall um das Lager waren einfach viel zu interessant, um sie zu ignorieren. Und der Heilerbau mit all den merkwürdigen Gerüchen war noch spannender gewesen. Er spürte Funkenflugs Zunge, die regelmäßig über seinen Kopf fuhr.

„Alles ist gut“ Wolfsjunges rollte sich ein. Schlaf wird mir jetzt gut tun. Plötzlich kam jedoch Fichtenjunges angeschossen und stupste ihn in die Flanke:

“Kommst du mit spielen?“ Er fauchte nur und drehte sich weg. Fichtenjunges lief um ihn herum.

„Spielst du mit?“

„Lass ihn jetzt, er braucht jetzt Ruhe“, erklärte Funkenflug sanft. Fichtenjunges wirkte leicht gekränkt.

„Ok. Kommst du dann nachher?“

Begriff sie denn nicht, dass er nicht wollte? „Vielleicht“, grummelte er. Er hörte, wie Fichtenjunges die Kinderstube verließ. Funkenflug leckte ihm wieder über den Kopf. Jetzt, wo Fichtenjunges weg war, unternahm Wolfsjunges wieder den Versuch zu schlafen. Der ersehnte Schlummer kam jedoch nicht. Genervt drehte er sich auf die andere Seite. Er merkte, wie Funkenflug aufstand und die Kinderstube verließ. Jetzt, wo ihre wärmende Flanke fehlte, war das Einschlafen fast unmöglich geworden.

Dann eben später. Seufzend stand Wolfsjunges auf und verließ nun selbst die Kinderstube.

 

Draußen jagte Fichtenjunges einige herumwirbelnde Blätter.

„Hallo, Wolfsjunges!“, rief sie und kam auf ihn zugesprungen. „Mach doch mit, das macht Spaß!“

Wolfsjunges wollte schon wieder ablehnen, entschied sich dann jedoch um. Er nickte und näherte sich dem Blatthaufen. Als ein heftiger Windstoß kam, wirbelten die Blätter auf und Wolfsjunges stand sofort in einer Wolke von Laub. Ihm fiel ein charakteristisches, rotes Ahornblatt auf. Wolfsjunges wackelte mit dem Hinterteil und sprang, jedoch entschlüpfte das Blatt sofort aus seiner Reichweite. Als wolle es ihn provozieren, tanzte es vor seiner Nase rum. Wieder sprang er, das Blatt schien ihm erneut auszuweichen. Knurrend rannte er in der Wolke von fliegenden Blättern hinter ihm her. Wolfsjunges schnappte nach dem Blatt, verfehlte es jedoch. Wütend sammelte er all seine Kraft und sprang in die Luft. Das Blatt tanzte vor ihm herum. Dann schlug er beide Vorderpfoten zusammen und hielt das Blatt fest! Mit dem gefangenen Blatt in den Pfoten stieß er aus der Blätterfront heraus und landete auf der Flanke rutschend auf dem Boden.

Fichtenjunges bekam das Maul nicht mehr zu. „Wie…wie hast du das gemacht?“, fragte sie staunend.

„Wieso, was war denn?“

„Du bist hochgesprungen und hast das Blatt wie einen Vogel gefangen, wie ein richtiger Krieger!“

„Echt?“ Verlegen leckte sich Wolfsjunges das Brustfell. Kurzerhand schob Fichtenjunges ihn zu Funkenflug.

„Schau mal, das hat Wolfsjunges im Sprung gefangen!“

„Tatsächlich?“

„Ja, wie ein richtiger Krieger!“

Funkenflug schnurrte. „Gut gemacht!“ Wolfsjunges reckte stolz das Kinn. „Ich bin stolz auf dich.“ Funkenflug leckte Wolfsjunges kurz über den Kopf. Er schnurrte und duckte sich weg. Dabei fiel ihm Spechtflügel auf, die ihn beobachtete. Sie sah entsetzt und gleichzeitig erfreut aus.

„Funkenflug? Was ist denn mit Spechtflügel? Sie schaut so komisch.“ Seine Mutter sah zur Heilerin herüber.

„Hmm. Weiß ich nicht, mein Kleiner. Ich werde sie nachher mal fragen.“ Plötzlich hatte Wolfsjunges doch Spaß am Spielen gefunden.

Es macht Spaß! Er wackelte mit dem Hinterteil und sprang Fichtenjunges an, welche aufmaunzte und unter ihm zusammenbrach. „Und jetzt?“, miaute er. Plötzlich stieß Fichtenjunges ihn irgendwie von sich. Wolfsjunges landete im Staub. Funkenflug legte sich in den Eingang der Kinderstube und sah ihren Jungen beim spielerischen Kampf zu. Benommen stand Wolfsjunges auf. Mit einmal rammte Fichtenjunges ihn wieder um. Fauchend kam er auf die Pfoten. Fichtenjunges saß vor ihm und sah ihn recht zufrieden an.

Die Genugtuung wird dir gleich vergehen! Wolfsjunges sprang und krachte direkt in Fichtenjunges hinein. Zusammen rollten die beiden als graubraunes Knäuel vor der Kinderstube hin und her. Plötzlich gerieten sie in den Lauf eines Kriegers, Tannenfell.

„Heiliger SternenClan, könnt ihr nicht aufpassen?“, fauchte er.

Was ist los, was haben wir falsch gemacht? Wolfsjunges war über die Wut des Kriegers zurückgeschreckt. Zum Glück kam ihnen Funkenflug zu Hilfe.

„Tannenfell, sie haben doch nur gespielt.“

„Dann sollen sie in Zukunft besser aufpassen, wo sie spielen!“, entgegnete der große Kater fauchend. Ohne ein weiteres Wort spazierte er davon und reihte sich in die Reihen der Abendpatrouille ein. Wolfsjunges sah noch kurz dem muskulösen Kater hinterher.

„Was haben wir denn falsch gemacht, Funkenflug?“, fragte er.

„Nichts. Ihr habt nichts falsch gemacht. Tannenfell ist gar nicht schlimm, er würde sein Leben opfern, um jeden von uns zu retten. Aber gerade eben seid ihr ihm wohl auf die Nerven gegangen. Seid nicht traurig, ihr habt nichts falsch gemacht“, beruhigte ihre Mutter ihn, als Wolfsjunges betrübt den Kopf senkte. „Aber jetzt müsst ihr auch schlafen, die Abendpatrouille geht los, es ist schon spät.“

„Aber ich bin gar nicht müde!“, erwiderte Fichtenjunges aufmüpfig.

„Genau, wir wollen noch weiterspielen!“, stimmte ihr Wolfsjunges zu.

„Dürft ihr auch. Morgen dürft ihr weiterspielen, aber für heute Abend ist es zu spät“, schnurrte Funkenflug. Widerwillig ließ Wolfsjunges sich von seiner Mutter Richtung Kinderstube schieben. Drinnen rollte er sich neben Funkenflugs warmer Flanke ein. Er spürte, wie sich Fichtenjunges neben ihn legte. „Schlaft gut, meine Kleinen. Morgen wird ein aufregender Tag. Dazu müsst ihr ausgeruht sein.“ Die besänftigenden Worte seiner Mutter und das rhythmische Lecken ihrer Zunge waren das Letzte, was er bemerkte, bevor ihn der Schlaf wie eine sanfte Woge übermannte.

 

Ein Sonnenstrahl, der in die Kinderstube fiel, weckte Wolfsjunges. Er blinzelte. Neben ihm lagen seine Schwester und seine Mutter. Beide schliefen noch. Aber da war noch ein neuer Geruch. Er roch anders als der vertraute Geruch von Funkenflug. Dann fiel Wolfsjunges eine cremefarbene Kätzin auf, die etwas weiter am Rand der Kinderstube in einem Nest aus Federn und Moos lag. Sie war etwas größer als Funkenflug. Wolfsjunges betrachtete die neue Nestmitbewohnerin genauer. Sie hatte graue Augen und unter ihren Schultern konnte er straffe, kräftige Muskeln erkennen. Erst jetzt fiel ihm auf, dass der Bauch der Kätzin rund war, sie erwartete ganz offensichtlich Junge.

Neue Spielkameraden! Wie viele es wohl sein werden? Wolfsjunges wandte den Blick von der Königin ab und sah nach draußen auf die Lichtung. Ahornstreif teilte gerade die Morgenpatrouille ein. Blutbad, Pfirsichblüte und ihre Schülerin Pollenpfote liefen zur Zweiten Anführerin und verließen hinter ihr das Lager. Bald werde ich Schüler! „Aber es dauert noch so lange.“, murmelte Wolfsjunges traurig, als er sah, wie die Patrouille das Lager verließ. Betrübt drehte er sich um und legte sich wieder neben Funkenflug.

Nun war aber Fichtenjunges wach. „Wolfsjunges, kommst du mit, wieder spielen?“ Obwohl er noch recht müde war, verspürte er Lust, wieder mit Fichtenjunges zu kämpfen.

„Klar, ich komme gleich!“ Schnell leckte er sich das Brustfell glatt, dann folgte er Fichtenjunges nach draußen auf die Lichtung. Diese sprang ihn jedoch gleich an und warf ihn um. Wolfsjunges lag unter Fichtenjunges, welche ihn geschickt am Boden hielt. Er wand sich unter ihr, doch sie hielt ihn fest. „Okay, du hast gewonnen!“, fauchte er. Zufrieden ließ Fichtenjunges ihn los. Wolfsjunges stand auf und leckte sich das staubige Fell.

„Hast du auch schon unsere neue Mitbewohnerin gesehen?“ Fichtenjunges legte den Kopf schief.

„Wen meinst du?“ Wolfsjunges sah etwas verwundert drein.

„Die cremefarbene Kätzin, sie ist jetzt mit bei uns in der Kinderstube, sie bekommt bald Junge!“

„Noch mehr Spielkameraden! Das ist super! Was meinst du, sollen wir ihnen dann das Lager zeigen?“ Fichtenjunges sah ungemein eifrig aus.

„Ok. Aber wir haben doch selbst noch nicht alles gesehen“, erinnerte Wolfsjunges sie.

„Dann fragen wir nachher einen Schüler, ob er uns das Lager zeigt!“ Wolfsjunges gefiel die Idee. Ein Schüler würde ihnen das ganze Lager zeigen!

„Fichtenjunges, Wolfsjunges, wo seid ihr?“ Funkenflugs Stimme ertönte aus der Kinderstube.

„Komm!“ Wolfsjunges winkte Fichtenjunges kurz mit dem Schweif. „Wer als letzter bei der Kinderstube ist, ist eine Maus!“ Wolfsjunges düste los, Fichtenjunges direkt neben ihm. Tatsächlich kam Fichtenjunges etwas früher bei der Kinderstube an.

„Komm, Maus!“

Wolfsjunges warf ihr einen bösen Blick zu und schlüpfte dann in die Kinderstube.

„Hallo, meine Kleinen“, begrüßte Funkenflug die beiden.

„Hallo.“ Wolfsjunges streckte sich. Inzwischen war auch die andere Königin wach.

„Wolfsjunges, Fichtenjunges, das ist Rosensprung. Sie bekommt auch bald Junge.“

„Hallo“, miaute Wolfsjunges.

„Hallo, Wolfsjunges.“ Rosensprung hatte eine etwas tiefere Stimme als Funkenflug, aber sie war voller Wärme.

„Wann kommen deine Jungen?“, miaute Fichtenjunges.

„Das wissen wir noch nicht, aber bald.“, antwortete Rosensprung schnurrend.

„Dürfen wir ihnen dann das Lager zeigen?“, fragte Fichtenjunges sofort.

„Wenn sie groß genug sind, gerne.“ Fichtenjunges machte einen kleinen Luftsprung.

„Komm, wir müssen uns noch das Lager zeigen lassen!“ Ohne auf eine Antwort von Wolfsjunges zu warten, düste sie nach draußen.

Ja, das Lager sehen! Wolfsjunges flitzte voller Vorfreude hinter ihr her. Er hörte noch Rosensprung zu Funkenflug sagen:

„Du hast wundervolle Junge.“

 

Wolfsjunges fand Fichtenjunges vor einer Felswand, wovor sie auf und ablief. Irgendwo da oben lag der Schülerbau, eine kleinen Höhle in der Wand. Mit einem Mal kam Bohnenpfote aus dem Bau über ihnen. Leichtfüßig sprang sie herunter und streckte sich. Dann bemerkte sie die beiden Jungen.

„Was sucht ihr denn hier?“, miaute sie freundlich.

„Kannst du uns das Lager zeigen?“, fragte Fichtenjunges.

„Nun, ich hab gerade keine Pflichten zu erledigen. Von mir aus gerne. Kommt!“ Schon lief Bohnenpfote voraus, Fichtenjunges folgte ihr. Wolfsjunges lief den beiden schnell hinterher.

Wie groß Bohnenpfote doch war! Wolfsjunges ging ihr noch nicht einmal bis zum Kinn. Werde ich auch so groß?

„He, kommst du?“ Bohnenpfotes Stimme riss ihn aus seinen Gedanken.

„Äh… ja, ich komme!“ Schnell schoss Wolfsjunges zu den beiden.

„Also, das hier ist der Heilerbau.“ Bohnenpfote deutete mit dem Schweif auf eine Höhle, die halb in der Erde lag. „Unsere Heilerin ist Spechtflügel.“ Wolfsjunges sah sich kurz die Höhle an, dann führte Bohnenpfote die beiden weiter. „Da ist der Kriegerbau, unter diesem Wacholderbusch. Hallo Falterwolke.“ Ein kleiner, sandfarbener Kater kam aus dem Bau der Krieger und streckte sich.

„Hallo Bohnenpfote.“, miaute er.

„Hallo“, miaute auch Wolfsjunges.

„Oh, hallo“. Falterwolke nickte ihm kurz zu.

„Kommt ihr beiden?“ Bohnenpfote winkte die beiden zu einer hohen Felswand. „Da oben...“, Bohnenpfote wies auf eine Einbuchtung in der Felswand, „…hat der Anführer seinen Bau. Da oben wohnt Marderstern.“ Wolfsjunges legte den Kopf in den Nacken und sah nach oben.

„Ist das hoch!“, staunte er. Bohnenpfote schüttelte den Kopf.

„Das dachte ich zuerst auch, es ist aber gar nicht so hoch, nur eine Fuchslänge. Du bist noch klein, deswegen kommt es dir so hoch vor. Wenn du wächst wirst du merken, dass es gar nicht so hoch ist.

Ich bin noch klein.

„Wollt ihr den Frischbeutehaufen sehen?“ Fichtenjunges nickte begierig. Der Frischbeutehaufen!

„Ja!“, miaute Wolfsjunges.

„Dann kommt!“ Bohnenpfote führte sie zu einem Felsvorsprung. Darunter war, gut vor Regen geschützt, jede Menge Frischbeute aufgestapelt. Wolfsjunges zählte mindestens vier Amseln und jede Menge Mäuse, gab dann jedoch das Zählen auf.

„Dürfen wir uns was nehmen?“, fragte er.

„Nein, noch nicht, erst, wenn ihr größer seid.“ Wolfsjunges senkte betrübt den Kopf.

„Mach dir nichts draus, irgendwann wirst du Schüler und dann Krieger.“, miaute Bohnenpfote aufmunternd. Krieger…

„Bohnenpfote!“

„Oh, ich muss zu Dachszahn, er wollte mit mir eine Trainingsstunde machen. Bis dann!“ Bohnenpfote winkte noch zum Abschied mit dem Schweif und lief dann zu ihrem Mentor.

„Ich will jetzt Kriegerin werden!“, rief Fichtenjunges aufgeregt. Aufgeregt nickend gab Wolfsjunges seiner Schwester Recht. Plötzlich bemerkte er, wie der Schüler Schwanenpfote in einem Bau aus Flechten verschwand. Er hatte Mühe dabei, ein Kaninchen dorthin zu schleppen. Wolfsjunges sah noch seine hellgraue Schwanzspitze im Bau verschwinden.

„Schau mal, da.“ Wolfsjunges stieß seine Schwester leicht an und wies auf den Bau, in dem Schwanenpfote gerade verschwunden war.

„Was?“, fragte sie wenig interessiert.

„Da ist gerade ein Schüler reingegangen. Ich würde doch sehr gerne wissen, was man da so finden kann. Schauen wir mal nach?“

„Wenn du meinst“, erwiderte seine Schwester immer noch desinteressiert. Wolfsjunges tapste vorsichtig zu dem Bau und schlüpfte unter den Flechten hindurch. Er spürte, wie Fichtenjunges hinter ihm ebenfalls den Bau betrat. Neugierig sah er sich um. Der Bau war recht klein. Durch die Decke fiel Sonnenlicht, das unregelmäßig auf den Boden schien und ihn angenehm erwärmte. Erst jetzt fiel Wolfsjunges Schwanenpfote auf, der das Kaninchen vor einer Katze ablegte.

„Ah, danke Schwanenpfote“, hörte Wolfsjunges die Stimme der Kätzin.

„Ist er endlich gekommen?“, fragte eine knurrende Stimme aus dem hinteren Teil des Baus.

„Jetzt sei doch nicht so garstig, Algenwuchs“, antwortete eine sanftere Stimme, die einer Kätzin zu gehören schien. Algenwuchs schnaubte nur.

„Danke, Schwanenpfote“, antwortete eine vierte Stimme. „Aber könntest du bitte Spechtflügel Bescheid geben, dass sie uns mal wieder nach Flöhen absuchen könnte?“ Schwanenpfote nickte und verschwand.

„Meines Erachtens könnte Spechtflügel mal einen Schüler zum Heiler ausbilden“, murrte der Kater, der sich auch schon über Schwanenpfotes zu spätes Kommen beschwert hatte.

„Das ist ihre Sache, Algenwuchs“, miaute eine Kätzin. Wolfsjunges trat mutig einige Schritte nach vorne.

„Oh, hallo, wer bist du denn?“ Eine schildpattfarbene Kätzin hatte ihn bemerkt und musterte ihn interessiert.

„Ich…äh…nun…ich bin Wolfsjunges“, antwortete er schüchtern.

„Ich bin Blütenschweif. Willkommen im SturmClan“, antwortete die Kätzin schnurrend.

„Wer ist da?“, fragte ein Kater aus dem hinteren Teil des Baus.

„Komm her und schau doch selbst“, neckte ihn die Kätzin. Murrend kam der Kater zu Wolfsjunges gestapft. Wolfsjunges staunte. Der Kater war groß, sehr groß.

„Wer bist du denn?“, fragte auch er nun interessiert.

„Ich bin Wolfsjunges“, antwortete er.

„Hallo. Ich bin Eibenblatt.

„Meine Schwester ist auch hier, sie steht dahinten“, miaute Wolfsjunges.

„Weiß ich“, erwiderte Eibenblatt.

„Wieso … woher weißt du das?“, fragte Wolfsjunges überrascht.

„Ich habe sie gerochen.“

„Riecht sie so schlimm?“, fragte er irritiert.

„Nein“, antwortete Eibenblatt lachend. „Jede Katze riecht auf ihre Art besonders und ist deshalb am Geruch eindeutig zu identifizieren. Ich wusste nicht, wer da hinten steht, aber ich wusste, dass dort jemand steht. Nun kenne ich den Geruch deiner Schwester und kann sie nun immer daran erkennen.“ Wolfsjunges staunte.

„Kann ich das auch?“

„Sicher. Du wirst noch lernen, deine Sinne richtig einzusetzen, um Feinde und Beute rechtzeitig zu erkennen.“

„Wann erlerne ich das denn?“, fragte Wolfsjunges aufgeregt.

„Wenn du Schüler wirst“, antwortete Eibenblatt.

„Das dauert aber noch einige Monde, du bist jetzt noch zu jung“, fügte er noch hinzu, als Wolfsjunges schon das Maul geöffnet hatte, um noch eine Frage zu stellen.

„Wer ist denn da hinten noch?“, fragte Fichtenjunges, welche nun auch vorgetreten war.

„Algenwuchs, Girschwurzel, kommt ihr mal?“, rief Blütenschweif.

„Was ist denn jetzt schon wieder?“, kam die fauchende Antwort von Algenwuchs.

„Heiliger SternenClan, sei doch nicht immer so mürrisch!“, stöhnte Blütenschweif. „Komm einfach! Besuch ist da!“

„Besuch?“ Girschwurzels Interesse schien geweckt. Schnell sprang sie zu den beiden Jungen. Algenwuchs folgte weniger begeistert.

„Hallo“, miaute Fichtenjunges. Ein freundlicher Blick von Girschwurzel war die Antwort.

„Das sind Fichtenjunges und Wolfsjunges“, miaute Blütenschweif und wies mit der Schwanzspitze je auf die Jungen. Wolfsjunges lugte um Girschwurzel herum auf Algenwuchs.

„Hallo“, miaute er.

„Ja, hallo“, knurrte Algenwuchs.

„Jetzt sei doch einfach mal freundlich zu den beiden!“, fauchte Eibenblatt. „Die beiden sind so nett!“

„Ja, aber man kann nicht mal in Ruhe schlafen, oder in Ruhe sein Kaninchen essen!“, entgegnete Algenwuchs wütend.

„Gut! Dann kannst du ja wieder zurückgehen und in Ruhe schlafen und aufhören, uns hier den Spaß mit den Jungen zu verderben!“, konterte Blütenschweif. Algenwuchs fauchte und stapfte wieder in den hinteren Teil des Baus zurück, wo er sich einrollte und demonstrativ abwandte. „Ihr müsst Algenwuchs entschuldigen, er tut immer garstiger als er eigentlich ist“, miaute Girschwurzel.

„Haben wir denn etwas falsch gemacht?“, fragte Wolfsjunges schüchtern.

„Nein“, kam die Antwort von Blütenschweif. „Er ist nur Besuchern gegenüber häufig unfreundlich“, miaute sie und warf dem schlafenden Kater einen bösen Blick zu.

„Schaut ihr zu, wenn wir zum Krieger ernannt werden?“, maunzte Wolfsjunges.

„Das dauert noch lange, aber natürlich!“, erwiderte Eibenblatt lachend.

„Und wir schauen selbstverständig zu“, fügte Girschwurzel hinzu.

„Fichtenjunges, Wolfsjunges, wo steckt ihr?“, rief Funkenflug von draußen.

„Oh.“ Würden sie jetzt Ärger bekommen?

„Hier seid ihr also“, miaute Funkenflug, die Wolfsjunges und seine Schwester im Ältestenbau nun gefunden hatte. „Ich hoffe, sie haben euch nicht gestört“, sagte sie mit einem entschuldigenden Blick zu Blütenschweif.

„Nein, überhaupt nicht, keine Sorge“, antwortete Blütenschweif freundlich.

„Wirklich nicht?“, hakte Funkenflug nach. „Funkenflug, wenn ich sage, sie haben nicht gestört, dann haben sie auch nicht gestört!“, entgegnete Blütenschweif leicht gereizt.

„Nun…gut. Kommt ihr beide?“, miaute Funkenflug an Wolfsjunges und Fichtenjunges gewandt.

„Ja“, maunzte Fichtenjunges, offenbar ohne jegliche Schuldgefühle. Funkenflug verließ den Ältestenbau, Wolfsjunges folgte ihr.

„Kommt uns mal wieder besuchen!“, rief Blütenschweif ihnen noch hinter.

„Ja!“, rief Fichtenjunges zurück.

„Funkenflug? Bist du uns böse?“, fragte Wolfsjunges zaghaft.

„Ein bisschen.“, entgegnete sie.

„Dürfen wir sie wieder besuchen kommen?“, beharrte Wolfsjunges.

„Wenn ihr vorher fragt, habe ich nichts dagegen.“

„Danke!“, rief Wolfsjunges. „Komm, Fichtenjunges!“, miaute er seiner Schwester zu und sauste zur Kinderstube zurück. Wohlige Wärme und eine freundlich schauende Rosensprung begrüßten ihn.

„Hallo, wo warst du denn?“, miaute sie.

„Bei den Ältesten!“, antwortete Wolfsjunges.

„Oh. Waren sie denn nett?“

„Na ja, eigentlich ja, nur einer nicht.“

„Wer? Wie sah er denn aus?“, fragte Rosensprung. Wolfsjunges dachte nach.

„Recht groß.“

„Welche Fellfarbe hatte er?“

„Graubraun. Eher so wie Dreck oder Schmutz.“

„Ah, das ist Algenwuchs. Er ist nicht besonders freundlich, mach’ dir nichts draus“, miaute Rosensprung.

„Wer ist nicht besonders freundlich?“, fragte Funkenflug, die nun auch die Kinderstube betrat. Hinter ihr schlüpfte Fichtenjunges durch den Eingang und setzte sich gleich zu Wolfsjunges.

„Algenwuchs“, miaute Rosensprung.

„Hmm. Stimmt.“, stimmte ihr auch Funkenflug zu.

„Der meckert immer über irgendetwas.“ Plötzlich betrat Bohnenpfote die Kinderstube. Aus dem Maul baumelte ihr ein Eichhörnchen.

„Hallo Bohnenpfote!“, maunzte Wolfsjunges. Bohnenpfote nickte ihm zu, da das Eichhörnchen im Maul ihr das Sprechen wohl unmöglich machte. Sie legte es vor Rosensprung ab.

„Das sollte ich dir bringen“, miaute sie.

„Ah, danke, Bohnenpfote“, miaute Rosensprung und zog das Eichhörnchen zu sich. Bohnenpfote neigte den Kopf und verließ die Kinderstube. Rosensprung nahm ein Maulvoll von dem Eichhörnchen. Auf einmal betrat Spechtflügel die Kinderstube.

„Hallo“, miaute sie. Funkenflug nickte ihr zu, Rosensprung sah von ihrem Eichhörnchen auf.

„Hallo, Spechtflügel“, antwortete sie. „Ich wollte nur fragen, ob bei euch alles in Ordnung ist.“

„Ja, alles in bester Ordnung, warum fragst du?“, fragte Funkenflug. Spechtflügel hob die Schultern.

„Nur so.“

„Nein, keine Sorge, es ist alles In Ordnung, Spechtflügel“, miaute Rosensprung.

„Gut. Danke. Bis dann.“ Spechtflügel winkte zum Abschied mit dem Schweif und verließ dann die Kinderstube.

„Ist irgendwas?“, fragte Fichtenjunges.

„Nein, keine Ahnung, warum sie hier war“, antwortete Rosensprung.

„SternenClan, ich bin doch so ein Mäusehirn!“, fauchte Funkenflug.

„Wieso? Was ist passiert?“, fragte Rosensprung verwundert.

„Ich wollte sie noch etwas fragen! Ich bin gleich wieder da!“ Mit diesen Worten schlüpfte Funkenflug aus der Kinderstube.

Ach ja, sie wollte ja noch fragen, warum Spechtflügel mich zuletzt so komisch angesehen hat. Wolfsjunges spähte aus der Kinderstube. Funkenflug stand vor Spechtflügel, die heftig auf sie einredete. Funkenflugs Miene wandelte sich von Erstaunen in Entsetzen und Angst. Wolfsjunges erschrak. Funkenflug kam zurück und schlüpfte in die Kinderstube.

„Was ist?“, fragte Wolfsjunges. Seine Mutter atmete schwer.

„Nichts“, keuchte sie. „Alles in Ordnung.“ In ihrem Gesicht konnte er ihre Angst praktisch lesen.

„Funkenflug?“, fragte er noch mal.

„Wolfsjunges, es ist alles in Ordnung!“ Ohne ein weiteres Wort legte sie sich hin und legte den Schweif über die Schnauze.

Was war bloß los?

 

 

 

Kapitel 3

 

Drei Monde vergingen. Aber wie viel Wolfsjunges auch fragte, Funkenflug wollte ihm nicht sagen, was los war und hüllte sich in Schweigen. Seine eigene Mutter hatte vor ihm ein großes Geheimnis! Immer, wenn er sie darauf ansprach, versuchte sie ihn abzulenken und wenn dies nicht klappte, sagte sie ihm, dass er noch zu klein wäre, um das zu verstehen. Zu klein! Wolfsjunges hasste den Gedanken, zu klein zu sein. Hoffentlich würde er bald größer sein!

Wolfsjunges wachte auf. Helles Licht fiel durch den Eingang in die Kinderstube. Wolfsjunges blinzelte und sah sich um. Funkenflug und Fichtenjunges hatten offenbar die Kinderstube schon verlassen. Nur Rosensprung döste noch in ihrem Nest, ihre Flanken hoben und senkten sich regelmäßig. Wolfsjunges warf der schlafenden Königin noch einen Blick zu, dann verließ auch er die Kinderstube. Im Lager herrschte Hochbetrieb. Spechtflügel eilte geschäftig umher und eine Patrouille, beladen mit Frischbeute, traf gerade im Lager ein. Wolfsjunges staunte über das riesige Kaninchen, das Storchenflügel im Maul festhielt. Falterwolke hielt eine Taube zwischen den Zähnen. Und Bohnenpfote trug stolz zwei Mäuse. Immer noch staunend lief Wolfsjunges an der Patrouille vorbei. Plötzlich hörte er eine bekannte Stimme.

„Wolfsjunges, kommst du?“, rief Fichtenjunges. Seine Schwester thronte auf Funkenflug, welche sich auf einem kleinen Felsen sonnte.

„Achtung, ich komme!“, jaulte Wolfsjunges und sauste in Richtung seiner Schwester. Ein Stein stoppte plötzlich seinen Sprint. Wolfsjunges überschlug sich und rutschte mit voller Wucht in den Frischbeutehaufen hinein. Drei Mäuse und ein Eichhörnchen flogen durch die Gegend. Wolfsjunges sah noch einen kleinen Lichtschimmer, dann brach der Frischbeutehaufen über ihm zusammen. Felle von Beutetieren nahmen ihm die Sicht und Luft. Das Atmen wurde immer schwieriger. Panisch strampelte Wolfsjunges, aber die Masse von Tieren drohte ihn zu ersticken.

Hier sterbe ich also. Wolfsjunges schloss die Augen. Plötzlich durchbrach ein Lichtstrahl die Flut von Tieren. Ein kräftiger Kiefer langte in den Frischbeutehaufen, packte Wolfsjunges am Nackenfell und zog ihn heraus. Behutsam wurde er abgesetzt. Wolfsjunges blinzelte. Sein Retter, Falterwolke, sah ihn besorgt an.

„Geht es dir gut?“, miaute der sandfarbene Kater. Wolfsjunges nickte zitternd.

„Was wolltest du denn im Frischbeutehaufen?“, fragte Falterwolke verwirrt.

„Ich…ich…ich wollte…“ Wolfsjunges brachte keinen vollständigen Satz hervor. Falterwolke seufzte und hob ihn wieder am Nackenfell hoch.

„He, ich kann …. alleine laufen!“, maunzte Wolfsjunges vorwurfsvoll.

„Sicher“, nuschelte Falterwolke durch Wolfsjunges’ Fell hindurch. „Und Igel können fliegen.“ Falterwolke steuerte zielsicher auf den Felsen zu, auf dem sich auch Funkenflug sonnte.

Wird sie mir böse sein? Funkenflug blickte auf.

„Falterwolke! Was in SternenClans Namen ist denn passiert?“, miaute sie verwundert. Falterwolke setzte Wolfsjunges ab.

„Dein Sohn ist dem Frischbeutehaufen etwas zu nah gekommen.“, antwortete Falterwolke. Funkenflug schaute noch verwirrter drein. „Wieso zu nahe gekommen?“

„Wolfsjunges ist irgendwie in den Frischbeutehaufen hineingeraten, der ist dann über ihm zusammengebrochen, und ich habe ihn rausgeholt“, miaute Falterwolke.

„Ist das wahr, Wolfsjunges?“ Funkenflug sah ihren Sohn vorwurfsvoll an. Wolfsjunges senkte beschämt den Kopf. „Wolfsjunges, Wolfsjunges, was machst du immer für einen Unsinn?“, miaute Funkenflug vorwurfsvoll. „Hast du dich überhaupt schon bei Falterwolke bedankt? Er hat dir schließlich das Leben gerettet!“ Wolfsjunges sah kleinlaut zur Seite.

„Danke, Falterwolke“, miaute er verlegen.

„Kein Problem“, antwortete der kleine Kater und versetzte ihm einen aufmunternden Klaps mit dem Schweif auf die Flanke. „Sei nächstes Mal einfach vorsichtiger“, fügte er noch hinzu. Wolfsjunges nickte. „Hast du ihn eigentlich schon einmal Frischbeute probieren lassen, Funkenflug?“, miaute Falterwolke.

Frischbeute! Wolfsjunges’ Kopf schoss hoch.

„Nun, nein, noch nicht. Aber ich denke, es wird mal Zeit“, antwortete Funkenflug.

Ich darf Frischbeute essen! Aufgeregt hüpfte Wolfsjunges vor seiner Mutter auf und ab.

„Was, Frischbeute?“ Fichtenjunges hatte ihre Diskussion mitgehört und turnte nun von Funkenflug herunter. „Dürfen wir jetzt Frischbeute essen?“, maunzte sie aufgeregt.

„Oh, da habe ich ja einen Stein ins Rollen gebracht“, bemerkte Falterwolke schmunzelnd.

„Wann denn, wann denn?“, fragte Fichtenjunges, die vor Aufregung um Funkenflug herumlief.

„Wenn die Abendpatrouille zurück ist, dann könnt ihr euch eine Maus teilen“, miaute Funkenflug.

Fichtenjunges’ steil aufgerichteter Schwanz fiel zu Boden. „Aber das dauert ja noch den ganzen Tag! Wir haben noch nicht einmal Sonnenhoch!“

Funkenflug schnurrte. „Dann kannst du dich ja den ganzen Tag darauf freuen.“

Traurig sah Wolfsjunges zu seiner Schwester. „Noch den ganzen Tag…“, maunzte er betrübt.

„Sagt mal“, miaute Falterwolke plötzlich und stieß Wolfsjunges leicht an, „habt ihr schon das Lager gesehen?“

„Ja“, erwiderte Fichtenjunges seufzend.

„Wir haben alles gesehen“, fügte sie noch hinzu.

„Wirklich alles?“, hakte Falterwolke nach.

„Ja. Alles. Den Ältestenbau, den Frischbeutehaufen, den Anführerbau und den Heilerbau“, antwortete Fichtenjunges.

„Und was ist mit dem Bau der Krieger und dem Schülerbau?“, fragte Falterwolke.

„Ja, auch die haben wir gesehen“, erwiderte Fichtenjunges.

„Von innen?“, fragte Falterwolke. Wolfsjunges sah auf.

„Der Kriegerbau? Du würdest uns den ganzen Kriegerbau zeigen?“ Fichtenjunges’ Augen leuchteten.

„Das könnte ich machen. Falls eure Mutter nichts dagegen hat“, miaute Falterwolke. Fichtenjunges sah erwartungsvoll zu Funkenflug.

„Dürfen wir? Bitte, bitte!“

„Nun, wenn ihr keinen Krieger stört und euch angemessen verhaltet, gerne.“

„Juhu!“ Fichtenjunges düste sofort zu Falterwolke.

Wir sehen den Kriegerbau! Wolfsjunges folgte ihr schnell und gesellte sich zu Falterwolke und seiner Schwester.

„Ich dachte, ihr hättet alles gesehen?“, miaute Falterwolke zwinkernd.

„Wo ist der Kriegerbau denn?“, unterbrach ihn Fichtenjunges.

„Immer mit der Ruhe, ihr seht ihn noch. Folgt mir!“, antwortete Falterwolke. „Da vorne ist er doch schon!“ Der kleine, braune Kater wies auf einen Wacholderbusch mit tief hängenden Ästen.

„Das ist der Kriegerbau?“ Fichtenjunges klang enttäuscht.

„Es ist genug Platz darunter für mehrere Krieger“, wies Falterwolke sie zurecht.

„Wie ist es dort?“, fragte Wolfsjunges.

„Meistens ziemlich eng, aber schön warm. Man schläft zwischen seinen Clankameraden“, erwiderte Falterwolke.

„So, da wären wir. Nach euch.“ Er wies mit dem Schweif auf ein Schlupfloch unter den Zweigen. Wolfsjunges schlüpfte hindurch, seine Schwester folgte ihm. Falterwolke, der um einiges größer war, musste sich ducken, um den Bau der Krieger betreten zu können. Verschiedene Gerüche strömten auf Wolfsjunges ein, sehen konnte er jedoch nichts. Er spürte Falterwolke, der hinter ihm stand.

„Ich kann nichts sehen!“, beschwerte sich Fichtenjunges neben ihm.

„Das ist normal“, beruhigte sie Falterwolke. „Alle Katzen müssen sich erst an den Lichtunterschied gewöhnen.“

„Schlafen wir hier auch später mal?“, fragte Wolfsjunges.

„Wenn ihr Krieger seid, natürlich“, miaute Falterwolke.

„He, ich kann jetzt sehen!“, maunzte Fichtenjunges aufgeregt. Wolfsjunges blinzelte. Tatsächlich nahm langsam seine Umgebung Gestalt an. Der Bau der Krieger war, wie Falterwolke gesagt hatte, recht beengt, jedoch lagen überall einladende Nester aus Moos und Federn. Außer dem kleinen Schlupfloch, das den Eingang zum Bau darstellte, wurde der Rest des Kriegerbaus von den niedrig hängenden Ästen des Wacholderbuschs weitgehend von der Umgebung abgeschirmt. Mehrere Katzen lagen vereinzelt in den verstreuten Nestern.

„Da schlafe ich“, miaute Falterwolke und wies mit dem Schweif auf ein freies Nest in der Mitte des Baus.

„Nanu, wen hast du denn da mitgebracht, Falterwolke?“, miaute plötzlich eine Stimme. Wolfsjunges wirbelte herum. Ein schwarzgrauer Kater lag in seinem Nest und musterte die drei Katzen interessiert.

„Das sind Fichtenjunges und Wolfsjunges“, antwortete Falterwolke.

„Dürfen sie überhaupt hier sein? Hat Funkenflug ihnen das erlaubt?“, hakte der Kater nach. Falterwolke seufzte.

„Ja, dürfen sie. Ich habe sie sogar gefragt, falls dich das beruhigt. Von mir aus kannst du auch selbst zu ihr gehen und fragen, ob ihre Jungen hier sein dürfen!“ Ein Anflug von Ärger schwang in Falterwolkes Stimme mit.

„Schon gut, schon gut“, gab der Kater sich geschlagen. „Aber wir wollen doch nicht, dass den Jungen was passiert“, fügte er noch hinzu.

„Blutbad, lass das meine Sorge sein! Es wird ihnen nichts passieren!“, fauchte Falterwolke. Blutbad musterte ihn nur.

„Ich wollte es nur zu bedenken geben.“ Das Licht, das durch das Schlupfloch fiel, wurde plötzlich abgedunkelt, als eine Kätzin sich in den Bau zwängte.

„Hallo“, miaute sie und nickte allen Anwesenden kurz zu.

„Hallo, Pfirsichblüte“, miaute Blutbad. Falterwolke murmelte eine Begrüßung. Wolfsjunges musterte Pfirsichblüte neugierig. Sie war etwas größer als Falterwolke, aber kleiner als Blutbad.

„Oh, wer seid ihr denn?“, fragte sie und beäugte die beiden Jungen.

„Ich bin Fichtenjunges. Und ich bin Wolfsjunges“, antworteten die beiden.

„Ah, ihr seid Funkenflugs Junge, richtig?“, miaute Pfirsichblüte.

„Ja“, antwortete Wolfsjunges.

„Ich bin Pfirsichblüte. Willkommen im SturmClan“, begrüßte sie die beiden Jungen. „Was macht ihr denn eigentlich im Bau der Krieger?“, fragte Pfirsichblüte verwundert.

„Ich führe sie ein bisschen herum“, sprang Falterwolke ein.

„Ja, im Kriegerbau“, mischte sich Blutbad wieder ein. Falterwolke fauchte genervt, Blutbad fuhr jedoch ungestört seine langen Krallen ein und aus. Fichtenjunges sah aufgeregt zwischen Blutbad und Falterwolke hin und her. Wolfsjunges starrte wie gebannt auf Blutbads Krallen.

Sind die lang! Werden meine auch noch so lang?

„Kommt mit, ich zeige euch den Schülerbau!“, fauchte Falterwolke mit zusammengebissenen Zähnen. Offenbar kostete es ihn einige Mühe, nicht auf Blutbad loszugehen. Er warf ihm noch einen vernichtenden Blick zu, dann quetschte er sich durch den Eingang nach draußen. Wolfsjunges schlüpfte hinterher, seine Schwester folgte ihm. Falterwolke atmete fauchend aus.

„Sollen wir sonst…gehen?“, fragte Wolfsjunges vorsichtig.

„Was? Nein, alles in Ordnung. Ich zeige euch jetzt den Schülerbau, wie besprochen“ antwortete Falterwolke.

„Der ist dort vorne, richtig?“ rief Fichtenjunges zappelig und deutete auf eine kleine Höhle in der das Lager umgebenden Felswand.

„Ja. Woher weißt du das?“, fragte Falterwolke verwundert.

„Wir hatten Bohnenpfote mal dort gefragt, ob sie uns das Lager zeigt. Sie kam aus der Höhle dort.“

„Ah. Ja, das ist der Schülerbau. Kommt, wir gehen hin“, miaute Falterwolke.

„Ja!“, rief Fichtenjunges und stürmte auf den Bau zu. Wolfsjunges düste hinterher.

„Ich bin schon wieder Erste!“, triumphierte Fichtenjunges, als sie beim Schülerbau ankam.

„Ja“, murrte Wolfsjunges. „Du bist ja auch früher gestartet.“

„Na und, ich bin trotzdem Erste!“, feixte Fichtenjunges.

„Nächstes Mal werde ich ganz bestimmt Erster sein!“, miaute Wolfsjunges bestimmt.

„Das werden wir ja sehen“, erwiderte Fichtenjunges trotzig. Obwohl sie ernst klang, entdeckte Wolfsjunges ein belustigtes Glitzern in ihren Augen.

„Ja, das werden wir ganz sicher sehen!“, rief Wolfsjunges und sprang seine Schwester an. Sie brach überrascht unter ihm zusammen. Schnell fixierte er ihre Gliedmaßen.

„Geh runter!“, maunzte sie.

„Wenn wir nächstes Mal gleichzeitig starten.“

„Ja, machen wir, lass mich jetzt endlich!“ Wolfsjunges schnurrte belustigt und ließ Fichtenjunges los. Sie sprang auf und leckte sich das staubige Fell. Plötzlich stieß sie Wolfsjunges um und nagelte ihn am Boden fest.

„He!“, rief Wolfsjunges empört und zappelte, seine Schwester hatte ihn jedoch gut im Griff.

„Das ist die Rache für gerade eben“, miaute sie. Wolfsjunges versuchte, seine Schwester abzuwerfen, was ihm jedoch nicht gelang.

„Wolfsjunges, du kommst da nicht raus“, schnurrte Fichtenjunges. Wolfsjunges bündelte all seine Kräfte und stieß Fichtenjunges von sich. Überrascht fiel sie von ihm.

„Wirklich nicht?“, fragte Wolfsjunges.

„Na gut, du hast es geschafft“, gab Fichtenjunges zu. „Aber der Kampf ist noch nicht zu Ende!“, rief sie.

„Doch, ist er.“ Falterwolke stand hinter ihr und schaute die beiden Jungen an. „Wollt ihr jetzt den Schülerbau sehen oder nicht?“, fragte er.

„Natürlich!“, maunzte Fichtenjunges, setzte sich kerzengerade auf und sah den Krieger gespannt an. Falterwolke schnurrte.

„Los, kommt. Da ist der Eingang!“ Er wies auf die Felswand, in der sich der Bau befinden sollte.

„Wo?“ Wolfsjunges sah in die von Falterwolke angewiesene Richtung, konnte dort jedoch nichts entdecken. „Ich sehe ihn nicht!“, beschwerte er sich bei dem Krieger.

„Da oben ist er doch. Siehst du?“, antwortete Falterwolke. „Rechts neben dem Farn, der aus der Wand wächst.“

„Ja, ja, ich sehe ihn!“, rief Fichtenjunges vor Aufregung hüpfend. „Da, Wolfsjunges, da ist er!“

„Rechts neben dem Farn, der aus der Wand wächst“, murmelte Wolfsjunges und suchte die Wand wieder nach dem besagten Eingang ab. „Tut mir leid, ich sehe ihn nicht“, miaute er geknickt und senkte den Kopf.

„Macht nichts, dann gehen wir hin“, entgegnete Falterwolke. „Hätten wir jetzt sowieso gemacht, also kommt!“ Leichtfüßig sprang der kleine Kater an die Felswand und landete auf einem engen steinernen Pfad, der zum Bau der Schüler reichte. „Los, kommt!“, rief und winkte mit dem Schweif.

Wolfsjunges spannte die Muskeln in den Hinterbeinen an und sprang. Die Wand vor ihm wurde größer und größer. Wolfsjunges streckte die Pfoten nach dem kleinen Sims aus, den es zu erreichen galt. Nur noch ein kleines Stückchen! Wolfsjunges erwischte die Kante mit den Pfoten, schnell fuhr er die Krallen aus und hakte sich fest. Der Rest seines Körpers klatschte förmlich gegen die harte Wand. Sämtliche Luft wurde aus seinen Lungen gepresst. Schwer atmend hing Wolfsjunges an der Felswand.

„Zieh dich hoch, deine Krallen halten das aus!“, rief Falterwolke über ihm.

„Ich schaffe das!“, sprach Wolfsjunges sich Mut zu und hievte sich hoch. Ein stechender Schmerz in seinen Krallen war das Ergebnis. Zischend holte er Luft. „Es geht nicht!“, rief er Falterwolke zu.

„Doch! Zieh dich an den Krallen hoch und schieb mit den Hinterpfoten nach!“, kam die Antwort.

Wolfsjunges zog sich mit aller Kraft an den Krallen hoch. Diese protestierten mit einem Stechen.

„Jetzt schieb mit den Hinterpfoten nach, das entlastet die Krallen, glaub mir!“, rief Falterwolke.

„Jajaja“, murmelte Wolfsjunges, setzte die Hinterpfoten an der Felswand an und drückte sich nach oben. Tatsächlich ließ das Stechen in seinen Krallen nach. „Falterwolke, es funktioniert!“, rief er.

„Sag ich doch“, schnurrte dieser. „Jetzt kletterst du so bis nach oben.“

Wolfsjunges sah hoch. „Bis ganz nach oben? Das ist aber noch weit!“, antwortete er unsicher.

„Es sieht so aus, aber es ist gar nicht so weit. Du hast die Krallen doch schon oben angesetzt“, ermutigte ihn Falterwolke. „Klettere einfach so, wie ich dir gesagt habe.“

„Na gut.“ Wolfsjunges schluckte und prüfte den Halt an der Kante. Vorsichtig schob er sich mit den Hinterpfoten ein Stück nach oben. Seine Krallen lösten sich, schnell schob er seine Pfoten weiter auf den Sims.

„Sehr gut!“, lobte Falterwolke ihn.

Wieder drückte Wolfsjunges sich weiter hoch. Er konnte schon Falterwolkes Pfoten sehen!

„Weiter so! Du hast es gleich!“, ermutigte ihn der sandfarbene Kater.

Ich hab’s gleich, ich hab’s gleich!, frohlockte Wolfsjunges. Wieder warf er seine Pfoten weiter nach vorne. Er spürte, wie seine Krallen sich hinter einem kleinen Stein festhakten. Jetzt der Rest! Schnell prüfte Wolfsjunges noch mal den Halt an den Krallen, dann kraxelte er mit den Hinterpfoten die Wand hoch. Keuchend zog er sich auf den schmalen Felssims, der den Weg zum Bau der Schüler darstellte. Ein strahlender Falterwolke blickte auf ihn herab.

„Sehr gut!“, schnurrte er. „Deine Mutter wird bestimmt stolz auf dich sein.

Stolz reckte Wolfsjunges den Kopf.

„He!“, beschwerte sich Fichtenjunges, die noch vor der Felswand saß. „Kann ich jetzt auch endlich hochkommen!?“

„Ja, natürlich!“, miaute Falterwolke.

„Super!“ Fichtenjunges nahm Anlauf und rannte auf die Felswand zu.

„Warte!“, rief Falterwolke plötzlich. „Warte kurz!“

Fichtenjunges bremste abrupt ab und kam in einer Staubwolke kurz vor der Wand zum Stehen. „Was ist denn? Warum darf ich nicht rauf?“, maunzte sie empört.

„Was hältst du davon, wenn du einfach den Pfad hier hoch nimmst?“, entgegnete der Krieger ruhig.

„Was?“, antwortete Fichtenjunges verwirrt. Dann aber hellte sich ihr Blick auf, als sie den Pfad entdeckte, der bequem zum Sims hinaufführte und schließlich direkt in den Eingang des Schülerbaus mündete.

Pfad!? Wolfsjunges wirbelte herum und besah sich den Weg, den Fichtenjunges nun bequem zu ihm hochstieg. Ihm wurde ganz heiß unter seinem Pelz. Da machte er Mäusehirn sich die Mühe, die ganze Wand hochzuklettern und dabei hätte er auch ganz ohne Aufwand den Weg hoch laufen können!

Fichtenjunges setzte sich neben Wolfsjunges und sah Falterwolke gespannt an, nicht ohne jedoch ihrem Bruder vorher ein breites Grinsen zu geben. Er fauchte sie nur wütend an. Fichtenjunges sah zu ihm herüber, ringelte schadenfroh ihren Schweif und sah dann wieder zu Falterwolke. „Gehen wir jetzt rein?“, fragte sie betont fröhlich.

„Ja, gehen wir“, antwortete Falterwolke und wies mit dem Schweif auf die Höhle. „Nach euch“, miaute er und nickte Wolfsjunges und seiner Schwester zu.

Wolfsjunges glitt in den Bau und sah sich um. Wieder einmal empfing ihm Dunkelheit.

„Juhu, Besuch ist da!“, rief Fichtenjunges in das Dunkel. „Ist jemand da?“

Neben Wolfsjunges öffnete sich plötzlich ein bernsteinfarbenes Auge. „Kann man nicht mal in Ruhe schlafen?“, beschwerte sich eine schläfrige Stimme.

„Pollenpfote, sei nicht so mürrisch, du machst ja noch Algenwuchs Konkurrenz“, miaute Falterwolke belustigt.

„Falterwolke?“, maunzte die Stimme, die Pollenpfote gehörte. „Oh tut mir leid.“ Pollenpfote setzte sich auf und sah den Krieger entschuldigend an.

„Kein Problem“, antwortete Falterwolke. „Die beiden hier wollten mal den Schülerbau näher in Augenschein nehmen“, miaute er und tippte mit dem Schweif jeweils Wolfsjunges und Fichtenjunges auf den Kopf.

„So?“ Pollenpfote legte den Kopf schief. „Na gut, dann kommt“. Sie winkte die beiden Besucher mit dem Schweif zu sich.

Fichtenjunges hopste gleich zu ihr, Wolfsjunges folgte langsam.

„Gut, folgt mir“, miaute Pollenpfote unter heftigem Gähnen.

„Tut mir leid, dass wir dich geweckt haben“, sagte Wolfsjunges schuldbewusst und sah die Schülerin ängstlich an.

„Schon in Ordnung. Ich bin Schlimmeres gewöhnt.“

„Wieso Schlimmeres?“, fragte Fichtenjunges interessiert.

„Ah, ich glaube, das war vor eurer Geburt. Einen Mond vielleicht. Da hat uns der BlitzClan mitten in der Nacht angegriffen. Ich glaube, es ging um angeblichen Beutediebstahl. Der BlitzClan hat uns beschuldigt, von ihnen Beute gestohlen zu haben und wir haben sie beschuldigt, dass sie uns Beute gestohlen haben. Marderstern drohte ihnen mit einem Angriff. Zapfenstern wollte uns dann offenbar zuvorkommen.“

„Und dann?“, hauchte Fichtenjunges.

„Wie schon gesagt, der BlitzClan fiel eines Nachts bei uns ein.“, miaute Pollenpfote, während sie sich in den hinteren Teil des Baus zwängte.

„Hast du mitgekämpft?“, frage Wolfsjunges ehrfurchtsvoll.

„Ja, habe ich. Großes erreicht habe ich aber nicht. Ich wurde nur sehr schnell verwundet. Irgendwann war dann das Gefecht vorbei. Ich weiß nur noch, dass ich im Heilerbau aufgewacht bin. Einige Katzen aus dem SonnenClan konnten beweisen, dass niemand Beute gestohlen hatte.“

„Wer hat denn gewonnen?“, fragte Wolfsjunges.

„Und wer hat die Beute gestohlen?“

„Nicht so viele Fragen auf einmal!“, rief Pollenpfote, aber Wolfsjunges meinte ein belustigtes Glitzern in ihren Augen zu sehen. „So. Zu deiner Frage.“ Sie nickte Wolfsjunges zu. „Niemand hat gewonnen. Es gab nur viele Verletzte auf beiden Seiten. Nun zu deiner Frage.“ Sie sah nun Fichtenjunges an. „Das ist bis heute nicht bekannt. Der BlitzClan zeigte uns nur einige total zerfetzte Kaninchen. Wir haben nie bei ihnen Beute gestohlen. Man wird wohl nie klären können, wer wirklich ihre Kaninchen tötete. Aber den Katzen aus dem SonnenClan fiel später ein unbekannter Geruch an der toten Beute auf, der bis dahin übersehen wurde. Der Geruch gehörte ganz eindeutig dem Jäger, der damals die Kaninchen tötete und zerlegte. Das Thema wurde auch auf einer Großen Versammlung besprochen. Niemand hatte je diesen Geruch gerochen. Deshalb bleibt es ein Mythos, wer der geheimnisvolle Jäger war, der den Krieg auslöste.“

„Hat man nie nach ihm gesucht?“, fragte Fichtenjunges.

„Doch, natürlich“, antwortete Pollenpfote. „Bis in die Berge verfolgten Katzen aus allen vier Clans die Spur. Dort oben verloren wir sie dann. Aber einen Beutediebstahl dieser Art gab es bis heute nicht mehr, deshalb hat man die Suche auch aufgegeben.“

„Das ist wirklich spannend!“, rief Wolfsjunges aufgeregt. Warum suchen wir nicht noch mal, alle zusammen?“

„Weil es, wie ich schon sagte, lange her ist und deshalb kaum eine Notwendigkeit besteht, weiterzusuchen. So, genug erzählt, jetzt zeig ich euch den Schülerbau“, miaute Pollenpfote.

„Ja!“, rief Fichtenjunges begeistert.

Pollenpfote sah Fichtenjunges belustigt an. „Hier gibt es eigentlich nicht viel zu sehen. Naja, hier überall sind Nester verteilt, wo die Schüler drin schlafen.“ Sie wies auf einige Nester, die kuschelig mit Federn und Moos ausstaffiert waren.

Fichtenjunges warf sich mit einem entzückten Schrei in eins der Nester, Moosstückchen und Federn wirbelten durch die Gegend.

„Hehe!“, rief Pollenpfote und hob die kleine Kätzin vorsichtig am Nacken wieder heraus.

Fichtenjunges maunzte empört. „Das ist so schön flauschig, warum darf ich da nicht rein?“

„Deine Mutter hat auch ein Nest, das das Gleiche ist wie das hier. Da kannst du drin schlafen und rumwuseln wie du willst. Schau dir das mal an, das Nest ist ganz zerpflückt! Was würdest du den sagen, wenn ich das in deinem Nest so machen würde?“, miaute Pollenpfote streng, während sie die weit verstreuten Federn aufsammelte.

„Na gut, tut mir leid“, antwortete Fichtenjunges kleinlaut.

„Ja, schon gut. Ich richte das nachher wieder“, murmelte Pollenpfote.

„Zeigst du uns noch weiter den Bau?“, fragte Wolfsjunges verlegen.

„Was? Ja, mache ich“, entgegnete Pollenpfote. „Die Nester habt ihr ja gesehen. Dort drüben haben wir uns einen kleine Frischbeutehaufen eingerichtet.“ Sie nickte in Richtung der hinteren Wand des Baus, wo zwei Mäuse lagen. „Wir holen uns ab und zu eine Maus hier hin und bewahren sie dann für später auf, für nach dem Training zum Beispiel. In der Blattleere dürfen wir das allerdings nicht, da ist das Essen schon insgesamt so knapp, wenn wir dann noch Beute bunkern würden, könnten wir richtig Ärger bekommen.

Wolfsjunges nickte.

„Naja, ihr habt jetzt aber auch eigentlich schon alles gesehen“, miaute Pollenpfote und zwinkerte Wolfsjunges zu.

„Mehr nicht?“ Fichtenjunges wirkte enttäuscht.

„Nein, der Schülerbau ist nicht der interessanteste Ort im Lager.“ Pollenpfote setzte sich und begann sich eine Pfote zu lecken. „Tut mir leid, aber es gibt hier wirklich kaum noch interessante Sachen zu sehen.“ Sie warf Fichtenjunges einen entschuldigenden Blick zu, bevor sie ihre Fellpflege auf ihr Brustfell ausweitete.

„Ah, bist du mit der Führung fertig, Pollenpfote?“ Falterwolke sah von draußen zu den drei jungen Katzen hinein.

Pollenpfote unterbrach ihr Lecken und sah auf. „Ja. Ich bin fertig.“

„Dann kommt“, miaute der Krieger. „Wartet, habt ihr euch schon bei Pollenpfote bedankt?“ Falterwolke bedachte die beiden Jungen mit einem strengen Blick.

„Danke, Pollenpfote!“, riefen die Geschwister im Chor.

Die Schülerin lächelte ihnen zu. „Immer gern!“

Falterwolke lief den schmalen Weg hinunter, Wolfsjunges folgte ihm. Als Schwanenpfote den Weg zum Schülerbau hoch lief, machte der braune Kater ihm bereitwillig Platz, Schwanenpfote nickte ihm dankend zu.

Wolfsjunges stellte sich neben Falterwolke und sah seiner Schwester zu, die mehr oder weniger elegant den Weg vom Schülerbau zu ihnen herunterschlitterte.

„Da bin ich!“, rief sie fröhlich, als sie, eine Staubwolke hinter sich herziehend vor ihnen zum Stehen kam.

„Ja, das sehen wir“, miaute Falterwolke belustigt. „Kommt. Funkenflug wartet bestimmt schon.“

Wolfsjunges hüpfte hinter dem Krieger hinterher, der schnurstracks auf die Kinderstube zulief.

Plötzlich hörte er aus dem Schülerbau Schwanenpfotes Stimme: „Was ist denn mit meinem Nest passiert!?“ Wolfsjunges sah schnell weg und schloss zu Falterwolke auf.

„So, rein mit euch“, miaute er und wies mit dem Schweif auf den Eingang des Baus.

Fichtenjunges schlüpfte in die Kinderstube, Wolfsjunges folgte ihr gleich darauf.

Funkenflug erwartete sie bereits. „Hallo, ihr zwei. Wie war die Führung?“

Wolfsjunges wollte gerade anfangen zu erzählen, aber Fichtenjunges war wieder schneller.

„Es war super! Falterwolke hat uns den Kriegerbau gezeigt! Und Pollenpfote hat uns eine tolle Geschichte erzählt und uns den Schülerbau gezeigt! Und Wolfsjunges hing an der Felswand.“ Sie kicherte. „Das sah lustig aus.“

„He! Ich bin sie immerhin hochgeklettert!“, entgegnete Wolfsjunges.

„Ja, aber wie du gegen die Wand geklatscht bist!“ Fichtenjunges kicherte wieder.

„Na warte!“, rief Wolfsjunges. Er sprang seine Schwester an, die quiekend zusammenbrach. Gerade wollte er sich auf sie stürzen, als er von Funkenflug am Nackenfell hochgehoben wurde.

„Lass mich!“, quiekte er.

„Immer mit der Ruhe“, miaute Funkenflug und setzte ihn behutsam im Nest ab. „Und du auch“, fügte Funkenflug mit einem Blick auf Fichtenjunges hinzu, die gerade zum Gegenangriff auf Wolfsjunges übergehen wollte. „Ich hatte euch doch was versprochen.“

„Was denn?“ Wolfsjunges’ Neugier war geweckt.

„Das hier“, antwortete seine Mutter und holte hinter ihrem Rücken eine Maus hervor.

Wolfsjunges quiekte fröhlich. Ja, natürlich! Die Maus!

Vorsichtig legte Funkenflug das kleine Tier vor Wolfsjunges ab.

Fichtenjunges lief sofort zu Wolfsjunges und schnüffelte an der Beute. „Sie riecht nach dem Wald“, verkündete sie.

„Ja natürlich, sie stammt ja auch aus dem Wald“, antwortete Funkenflug. „Aber kämpft jetzt nicht um die Maus, es reicht für euch beide“, miaute sie, als Wolfsjunges Fichtenjunges wegdrängelte.

Vorsichtig nahm Wolfsjunges einen Bissen. Er schluckte.

Funkenflug sah ihn gespannt an: „Und?“

„Sie schmeckt gut, nur das Fell ist so fusselig.“ Er schauderte.

Seine Mutter blinzelte amüsiert. „Daran gewöhnst du dich.“ Sie sah nach draußen. „Kommt, ihr geht lieber schlafen.“

Wolfsjunges sah sie verwundert an. „Warum? Es ist doch noch gar nicht spät.“

„Aber morgen ist die Kriegerzeremonie für Bohnenpfote und Pollenpfote. Die wollt ihr doch sicher nicht verpassen, oder?“

„Nein!“ Fichtenjunges hüpfte über Funkenflugs Schweif und kuschelte sich an ihre Mutter.

„Na komm, Wolfsjunges.“ Funkenflug zog ihren Sohn zu sich und legte dann ihren Schweif um die beiden Jungen. Fichtenjunges hatte schon die Augen geschlossen, offenbar völlig erpicht darauf, möglichst schnell einzuschlafen.

Wolfsjunges lugte einmal über Funkenflugs Schweif nach draußen, gähnte dann und legte den Kopf auf die Pfoten. Als seine Mutter ihm dann einige Male gleichmäßig über den Kopf leckte, gab ihm das den Rest. Langsam fielen seine Augen zu und die von Funkenflug ausgehende Wärme und Fichtenjunges ließ ihn dann endgültig ins Reich des Schlafes wandern.

 

 

 

Kapitel 4

 

Als Wolfsjunges am nächsten Morgen erwachte, schliefen Funkenflug und Fichtenjunges noch. „Wie können die jetzt schlafen, heute ist doch Pollenpfotes und Bohnenpfotes Kriegerzeremonie!“, murmelte Wolfsjunges leise.

Er spähte nach draußen. Im Lager herrschte noch Stille, aber Pollenpfote und Bohnenpfote saßen vor dem Bau der Schüler und putzten ausgiebig ihr Fell.

Wolfsjunges sprang nach draußen. „Wann beginnt denn jetzt eure Zeremonie?“, fragte er die beiden Schülerinnen.

Bohnenpfote unterbrach ihre Fellpflege und sah zu ihm herab. „Es kann nicht mehr lange dauern.“

„Sie hat Recht“, stimmte ihr Pollenpfote zu. „Sieh mal, da kommt Marderstern.“ Sie wies mit dem Schweif auf die kleine Höhle, aus der Marderstern gerade trat.

„Alle Katzen, die alt genug sind, um Beute zu machen, rufe ich auf, sich hier zu einem Clantreffen zur versammeln!“

Wolfsjunges erschrak, als Marderstern den Aufruf laut jaulte. Überall traten die Katzen aus ihren Bauen. Falterwolke, Tannenfell, Uhufeder und Storchenflügel ließen sich vor Marderstern nieder, der auf einem kleinen Felsen stand. Blutbad saß etwas weiter abseits.

Nun stolperte auch Fichtenjunges voller Aufregung aus der Kinderstube, Funkenflug folgte ihr. Schnell lief Wolfsjunges zu seiner Mutter. Kurz darauf gesellte sich auch sein Vater Elsterkralle zu ihnen, welcher seiner Gefährtin kurz über den Kopf leckte.

Mit einem Jaulen brachte Marderstern die versammelten Katzen zum Schweigen. Schnell wurde es still im Lager. Sein Blick wanderte zu den Mentoren der beiden Schülerinnen, Dachszahn und Pfirsichblüte. „Dachszahn, Pfirsichblüte, seid ihr davon überzeugt, dass Bohnenpfote und Pollenpfote das Zeug zur Kriegerin haben?“

„Ja, sie ist bereit“, sagten Dachszahn und Pfirsichblüte im Chor und nickten.

Marderstern richtete den Blick auf zum Himmel und rief: „Ich, Marderstern, Anführer des SturmClans, rufe meine Kriegerahnen an und bitte sie, auf diese beiden Schülerinnen hinabzublicken. Sie haben hart trainiert, um euren edlen Gesetzen gehorchen zu können, und ich empfehle sie euch nun als Kriegerinnen. Nun blickte er Pollenpfote an. „Pollenpfote, versprichst du, das Gesetz der Krieger einzuhalten und den Clan zu beschützen und zu verteidigen, selbst mit deinem Leben?

„Ich verspreche es!“ Pollenpfote sprach laut und klar, trotz ihrer großen Aufregung.

„Dann gebe ich dir, mit der Kraft des SternenClans, deinen Kriegernamen. Pollenpfote, von diesem Augenblick an wirst du Pollenflug heißen. Der SternenClan ehrt deinen Mut und deine Tapferkeit, und wir heißen dich als vollwertige Kriegerin im SturmClan willkommen!

Marderstern legte seine Schnauze auf Pollenflugs Kopf und diese leckte ihm die Schulter.

Nun wandte Marderstern sich Bohnenpfote zu: „Bohnenpfote, versprichst du, das Gesetz der Krieger einzuhalten und den Clan zu beschützen und zu verteidigen, selbst mit deinem Leben?

„Ich verspreche es!“ Bohnenpfote sprach die Worte klar und hell und sah Marderstern fest in die Augen.

„Dann gebe ich dir, mit der Kraft des SternenClans, deinen Kriegernamen. Bohnenpfote, von diesem Augenblick an wirst du Bohnenranke heißen. Der SternenClan ehrt dein Temperament und deine Intelligenz, und wir heißen dich als vollwertige Kriegerin im SturmClan willkommen!“

Wieder legte Marderstern seine Schnauze auf den Kopf der Schülerin, während diese ihm die Schulter leckte.

„Nun begrüßt unsere neuen Clanmitglieder.“

„Bohnenranke, Pollenflug, Bohnenranke, Pollenflug!“ Der ganze Clan jaulte die Namen der neuen Kriegerinnen, welche mit leuchtenden Augen vor der versammelten Masse saßen.

„Bohnenranke, Pollenflug!“, quiekten auch Fichtenjunges und Wolfsjunges. „Dürfen wir ihnen gratulieren?“, fragte Fichtenjunges ihren Vater Elsterkralle.

„Natürlich“, antwortete er und zwinkerte seiner Tochter zu. „Ab mit euch.“

Sofort lief Fichtenjunges auf die frisch gebackenen Kriegerinnen zu, Wolfsjunges folgte ihr dicht auf den Fersen.

„Herzlichen Glückwunsch!“, quiekte Fichtenjunges und sah zu den beiden neuen Kriegerinnen auf.

„Vielen Dank“, antwortete Bohnenpfote und berührte Fichtenjunges’ Kopf kurz mit der Schnauze.

„Wirst du meine Mentorin?“, unterbrach sie Wolfsjunges.

Bohnenranke lachte kurz. „Du musst erst einmal sechs Monde alt werden. Und dann entscheidet Marderstern, wer dein Mentor wird.“

Plötzlich schrie jemand auf. Dann stürzte Pfirsichblüte durch die versammelte Menge.

„Holt Spechtflügel! Schnell!“, keuchte sie.

„Was ist denn los?“, rief Schwanenpfote, der zur Seite springen musste, damit Pfirsichblüte ihn nicht einfach umrannte.

„Rosensprung bekommt ihre Jungen!“

 

Sofort wandte sich der gesamte Clan in Richtung der cremefarbenen Kätzin, die zuvor noch aufmerksam im Eingang der Kinderstube gesessen hatte. Fichtenjunges hopste auf und ab, um über die versammelte Katzenmasse einen Blick auf Rosensprung erhaschen zu können.

„Komm!“, flüsterte Wolfsjunges und schlüpfte dann zwischen zwei Katzen hindurch. „Schlängeln wir uns durch.“

Fichtenjunges nickte und folgte ihm schnell.

Wolfsjunges wand sich zwischen mehren Paaren Katzenbeinen hindurch. „Sieh mal, da vorne ist sie!“, rief er seiner Schwester über die Schulter hinweg zu.

„Wo?“, antwortete Fichtenjunges, die sich gerade neben ihn drängelte.

Wolfsjunges trat etwas zur Seite, damit seine Schwester eine bessere Sicht hatte. „Dort.“ Er nickte in die Richtung, wo Rosensprung am Boden lag.

„Ah, ja, natürlich“, bemerkte Fichtenjunges. „Oh, ihr scheint es aber sehr schlecht zu gehen.“

Wolfsjunges gab ihr im Stillen Recht. Rosensprung zitterte in einem Fort und wälzte sich auf dem Boden herum, dass ihr cremefarbenes Fell völlig verdreckt war. Neben ihr lief Tannenfell unruhig auf und ab.

„Wann kommt Spechtflügel endlich?“, rief er einem imaginären Gesprächspartner wütend zu, wobei seine Stimme allerdings eher panisch als gereizt klang.

„Hier bin ich doch“, kam Spechtflügels beruhigendes Miauen als Antwort. Sie trat schnell zu Rosensprung.

„Mach dich mal nützlich und steh nicht unnütz rum!“, fuhr sie Tannenfell an. „Sie braucht Wasser! Und vor allem braucht sie jetzt keinen Gefährten, der vor Aufregung einen Graben um sie herum in den Boden läuft! Los, ab mit dir!“

Tannenfell stand erst kurz perplex da, dann verschwand er, um nasses Moos zu holen.

Spechtflügel atmete erleichtert auf. „Den sind wir vorerst los…“, murmelte sie, dann wandte sie sich Rosensprung zu. „Versuch ruhiger zu atmen, ich helfe dir. Du wirst das schaffen“, redete sie Rosensprung Mut zu. „Was in SternenClans Namen wuselt ihr hier denn so rum?“, herrschte sie nun Wolfsjunges und Fichtenjunges an, die vor Schreck einen Satz in die Luft machten.

Zum Glück kam ihnen wieder Funkenflug zur Hilfe. Behutsam hob sie Wolfsjunges am Nackenfell hoch, Fichtenjunges führte sie mit dem Schweif von der Heilerin weg. „Spechtflügel braucht jetzt Ruhe, um sich konzentrieren zu können. Eine Geburt ist eine heikle Angelegenheit“, flüsterte sie ihren beiden Jungen zu, nachdem sie Wolfsjunges abgesetzt hatte. „Schaut, wenn es unbedingt sein muss, von hier aus zu.

Ahornstreif löste währenddessen die Versammlung auf, damit Spechtflügel nicht weiter gestört wurde.

Diese setzte nun ihre Arbeit fort. Rosensprung atmete nun etwas ruhiger. „Sehr gut“, lobte sie die Königin. „Und gleich wird es so weit sein.“ Behutsam legte sie eine Pfote auf Rosensprungs Bauch.

„Wo foll ich daf ablegen?“, fragte Tannenfell durch ein Maulvoll nassen Mooses.

Spechtflügel wies stumm mit dem Schwanz neben Rosensprungs Kopf.

Tannenfell legte kommentarlos das Moos seiner Gefährtin hin, welche schnell ein paar Mal daran leckte, um das Wasser aufzunehmen.

„Geht es?“, fragte Spechtflügel.

Rosensprung nickte.

Spechtflügel drückte leicht mit der Pfote auf den Bauch der Königin.

Rosensprung zitterte und kniff die Augen zusammen.

„Arbeite mit mir zusammen, drück die Jungen raus“, miaute Spechtflügel. „Es dauert nicht mehr lange.“

Tannenfell begann wieder, um die beiden herumzulaufen.

Spechtflügel verdrehte die Augen. „Bei drei drücken wir zusammen, ja?“

Rosensprung nickte.

„Eins, zwei…“, zählte Spechtflügel.

„Drei!“, knurrte die Königin gepresst.

„Spechtflügel drückte schnell auf Rosensprungs Bauch. Sie spürte, wie die Jungen im Inneren Richtung Leben drängten.

Dann schrie Rosensprung einmal auf – und ein Junges plumpste in den Sand.

Schnell leckte Spechtflügel wieder so lange an der Fruchthülle, bis sie platzte und das kleine Bündel Leben maunzend hinauspurzelte.

„Schnell, leck’ es!“, befahl sie Tannenfell. „Du musst seine Atmung anregen!“

Tannenfell begriff und begann, dem kleinen Häufchen Fell die Brust zu lecken.

„Achtung, gleich kommt Nummer Zwei! Das dürfte es dann auch gewesen sein“, miaute Spechtflügel Rosensprung zu.

Die cremefarbene Kätzin nickte und kniff die Augen zusammen. Dann fiel das zweite Junge ohne Hilfe von Spechtflügel in den Sand.

Wieder befreite die Heilerin das Junge von der Fruchthülle. „Heiliger SternenClan, Tannenfell! Du kannst jetzt aufhören, es atmet doch schon! Mach lieber bei dem hier weiter!“ Sie wies auf das gerade geboren Junge.

Tannenfell trat zu dem kleinen Kätzchen und leckte auch ihm die Brust. Dann trug er es zu seiner Gefährtin. Dort drängelte es sich gleich neben sein Geschwisterchen und begann, mit hektischen Bewegungen zu trinken.

„Schön sind sie“, schnurrte Rosensprung. „Tannenfell, wir haben einen Kater und eine Kätzin. Wie nennen wir sie?“

„Ich würde sagen, den Kater nennen wir Zunderjunges. Den Namen der Kätzin bestimmst aber du“, entschied ihr Gefährte.

„Dann nennen wir sie…“ Rosensprung überlegte kurz. „...Libellenjunges.“

„Libellenjunges, Zunderjunges!“, versuchte Wolfsjunges die feierliche Stimme Mardersterns zu imitieren, dann hielt Funkenflug ihm aber das Maul mit ihrem Schweif zu.

„Scht!“, zischte sie. „Kommt jetzt.“ Die hellbraune Kätzin schob ihre Jungen mit sanfter Gewalt Richtung Kinderstube. „Sie sind noch sehr klein, denkt gar nicht daran, jetzt schon mit ihnen zu spielen oder sie zu irgendetwas überreden zu wollen.“

Endlich mal jemand, der kleiner ist als ich, dachte Wolfsjunges.

„Wann dürfen wir denn mit ihnen spielen?“, hakte Fichtenjunges nach.

„Wenn sie alt und groß genug sind“, antwortete Funkenflug. „Jetzt frag nicht weiter.“

Fichtenjunges sah enttäuscht zu Boden, dann hellte sich ihr Gesicht jedoch wieder auf. „Dürfen wir die Ältesten besuchen gehen?“

„In Ordnung“, antwortete Funkenflug. „Aber stört sie nicht!“, rief sie Fichtenjunges noch zu, als diese sofort in Richtung Ältestenbau düste.

Wolfsjunges folgte schnell.

 

„Na, wen haben wir denn da?“, miaute Girschwurzel erfreut, als Wolfsjunges und Fichtenjunges den Bau aus Flechten betraten. „Besucht ihr uns mal wieder?“

„Ja!“, rief Fichtenjunges aufgeregt. „Wusstet ihr schon, dass…“

„Rosensprung hat ihre Jungen bekommen!“, unterbrach Wolfsjunges seine Schwester mitten im Satz.

„Wissen wir, wissen wir“, miaute Eibenblatt, der sich nun zu Girschwurzel gesellte.

„Wart ihr denn dabei?“, fragte Fichtenjunges erstaunt.

„Ja sicher! Es war immerhin Pollenflugs und Bohnenrankes Kriegerzeremonie! Oder denkst du, wir liegen hier nur im Bau rum und verschlafen Zeremonien?“, miaute Eibenblatt leicht empört.

„Nein“, gab Fichtenjunges zu und senkte beschämt den Kopf.

„Komm, sie konnte das ja nicht wissen“, miaute Girschwurzel und versetzte Eibenblatt einen leichten Klaps mit dem Schweif.

„Wisst ihr denn, wann sie groß genug sind, damit wir mit ihnen spielen können?“, fragte Wolfsjunges aufgeregt.

Girschwurzel zuckte mit den Schultern. „Keine Ahnung. Das ist bei jedem Jungen unterschiedlich. Aber keine Sorgen, du wirst schon noch mit ihnen spielen können.“

„Und wann werden wir Schüler?“, fragte Fichtenjunges.

„Ja, genau! Es kommt mir vor, als würde die Zeit still stehen!“, ergänzte Wolfsjunges.

Girschwurzel öffnete gerade das Maul, um zu antworten, dann unterbrach Eibenblatt sie jedoch: „Ich verstehe dich. Mir ging das genauso. Ich wollte unbedingt Schüler werden, aber es dauerte und dauerte. Mach dir keine Sorgen, es sind doch schon mehr als drei Monde vergangen. Bald bist du Schüler.“

„Aber… Es ist inzwischen so langweilig in der Kinderstube. Ich will etwas entdecken, ich will das Territorium des SturmClans kennen lernen, ich will andere Katzen treffen! Ich will mich nützlich machen!“, erwiderte Wolfsjunges trotzig, Fichtenjunges nickte heftig.

„Du willst dich nützlich machen? Also helfen?“ Girschwurzel sah ihn fragend an.

Wolfsjunges nickte zustimmend. „Ja!“

Girschwurzel wies mit einem Kopfnicken auf das Nest aus Moos, in dem sie nachts schlief. „Das Moos ist inzwischen alt und bröselig. Und…zu einem saftigen Stück Frischbeute würde ich auch nicht nein sagen. Denkt ihr, ihr könntet mir eins holen? Und vielleicht auch etwas Moos für eine Auspolsterung des Nests besorgen? Spechtflügel müsste noch einen größeren Vorrat da haben.“

Fichtenjunges sah eher enttäuscht drein, Wolfsjunges nickte jedoch eifrig. „Natürlich! Ich werde das größte Eichhörnchen holen, das ich finden kann!“

Girschwurzel nickte zufrieden und Wolfsjunges flitzte aus dem Bau, Fichtenjunges folgte ihm gleich darauf.

 

„Was holen wir als Erstes, die Frischbeute oder das Moos?“ Wolfsjunges sah seine Schwester fragend an.

„Ich denke, zuerst die Frischbeute.“ Fichtenjunges hatte ihren Satz noch nicht einmal beendet, als sie schon Richtung Frischbeutehaufen sauste.

Wolfsjunges lief schnell hinterher. „Pass auf, ich bin da schon einmal drin eingebrochen!“, rief er seiner Schwester zu, die zwischen den verschiedenen Beutetieren herumwühlte.

„Ja, du bist da reingefallen, ich werde hingegen aufpassen.“

Wolfsjunges verdrehte die Augen. „Hast du gleich was?“

„Warte doch mal!“ Er sah noch, wie seine Schwester kurz halb im Frischbeutehaufen verschwand und gleich darauf unter großer Anstrengung eine Drossel hervorzerrte.

„Brauchst du Hilfe?“

„Nein, ich schaffe das schon!“ Das letzte Wort endete in einem Aufschrei, als Fichtenjunges samt der Drossel vom Frischbeutehaufen fiel und im Staub landete.

Wolfsjunges schnurrte belustigt.

„Was ist daran so witzig?“, fauchte sie, wobei sie sich ihr Fell glatt leckte, das von ihrem Körper abstand, sodass sie fast wie ein Igel aussah.

„Es ist nichts“, kicherte er.

Fichtenjunges zischte nur kurz verärgert, hob die Drossel auf und torkelte, unter dem Gewicht des Vogels fast zusammenbrechend, auf den Ältestenbau zu.

„He, warte auf mich!“ Wolfsjunges sauste schnell hinter ihr her. Er holte sie gerade ein, als sie in de Bau schlüpfen wollte. Von drinnen hörte er Girschwurzels Stimme: „Oh, du bist zurück.“

Dann hole ich eben das Moos, dachte Wolfsjunges und lief zum Heilerbau. Vorsichtig lugte er hinein. „Spechtflügel?“, fragte er schüchtern in die Tiefe des Baus hinein.

„Hm?“ Spechtflügel trat zum Ausgang des Baus. „Ach, du bist es. Was möchtest du denn? Ist Fichtenjunges etwas passiert?“

Wolfsjunges schüttelte den Kopf. „Ich will Girschwurzel frisches Moos holen“

„Ah. Da wird sie sich aber freuen.“

Das weiß ich selbst.

„Warte, ich bin gleich wieder da.“ Spechtflügel verschwand wieder im Bau und kam kurz darauf mit einem Maulvoll frisch duftenden Mooses zurück. „Da“, miaute sie. Sie legte es ihm vor die Pfoten.

Wolfsjunges nickte freudig. „Danke!“

Spechtflügel nickte und zwinkerte ihm zu, dann verschwand sie wieder in ihrem Bau.

Er versuchte, das Bündel Moos ins Maul zu nehmen, jedoch zerfiel es gleich darauf in zwei kleinere Teile. Mäusedreck! Wolfsjunges nahm nun vorsichtig einen Teil ins Maul, den zweiten bekam er irgendwie unter sein Kinn geklemmt. Geht doch! Darauf bedacht, nichts fallen zu lassen taumelte er etwas unsicher auf den Ältestenbau zu.

„Na wer kommt denn da?“ Girschwurzel schmunzelte, als Wolfsjunges mit dem Moos den Bau betrat. „Warte, ich helfe dir.“

Er spürte wie Girschwurzel ihm vorsichtig das grüne Gewächs unter dem Kinn abnahm. Er seufzte erleichtert. „Wohin kommt das Moos? Soll ich da auch noch helfen?“

Girschwurzel schüttelte den Kopf. „Lass mich das mal machen.“ Sie begann, trockenes Moos aus den Nestern zu rupfen und das frische stattdessen hineinzustopfen. „Hier. Bring das Schwanenpfote, er wird es dann wegschaffen.“

„Wieso kann ich das nicht gleich selbst wegbringen?“, fragte Wolfsjunges etwas beleidigt.

Girschwurzel zuckte mit dem Ohr. „Du darfst das Lager noch nicht verlassen. Wenn du Schüler bist, kannst du noch mehr das Lager verlassen als dir lieb ist.“

Ich will jetzt endlich Schüler sein! „Na gut. Ich bring es zu ihm.“ Wolfsjunges hob den kleineren Haufen von altem Nestmaterials auf und verließ den Ältestenbau.

 

Wieso bin ich immer noch zu jung, um Schüler zu sein, ist die Zeit stehen geblieben? Wolfsjunges schimpfte fast auf dem ganzen Weg zum Bau der Schüler in Gedanken vor sich hin. Er sprang den Pfad zum Eingang hoch und lugt in den Bau. „Schwanenpfote? Bist du da?“, rief er hinein.

„Was ist los?“ Der Gerufene trat ins Licht der morgendlichen Sonne, welche seinen weißgrauen Pelz beleuchtete.

„Ich soll dir das von Girschwurzel bringen. Sie sagt, du sollst es aus dem Lager bringen.“

Schwanenpfote erschien nicht sehr erfreut. „Hoffentlich gibt es bald wieder neue Schüler, die sich die Arbeit mit mir teilen“, seufzte er wenig begeistert und hob das Moos auf.

„Ja, ich werde ja bald Schüler!“, rief Wolfsjunges begeistert.

„In der Tat. Dem SternenClan sei Dank.“ Dann lief Schwanenpfote den Pfad hinunter und verließ das Lager.

Schnell flitzte Wolfsjunges wieder zurück zum Ältestenbau. Er fand Fichtenjunges mit riesigen Augen vor Girschwurzel sitzend vor.

„Wolfsjunges, schnell, setz dich hin, Girschwurzel erzählt gerade etwas über den Kampf mit dem BlitzClan!“

Vielleicht weiß sie ja mehr als Pollenpfote, äh, Pollenflug! Sofort setzte sich Wolfsjunges neben seine Schwester und sah aufgeregt zu Girschwurzel.

„So, sitzt ihr bequem? Wo war ich?“

„Als der BlitzClan im Lager einfiel!“, rief Fichtenjunges aufgeregt.

„Ach, genau. Also. In der Nacht des Angriffs fiel der BlitzClan mit einem Großteil seiner Krieger im Schutze der Dunkelheit bei uns ein. Es war ein ziemlich heikler Angriff, da ihr Lager während des Angriffs selbst sehr verwundbar war. Wenn ich mich recht erinnere, hielt Blutbad in der Nacht gerade Wache. Er wurde jedoch von den Angreifern schnell überwältigt und das will was heißen! Ich kenne kaum einen Krieger, der besser und gewandter kämpfen kann als er. Allerdings wurde durch den Kampflärm der Rest des Clans geweckt. Unsere übliche Vorgehensweise klappte perfekt, die Schüler griffen nur bedingt in den Kampf ein, allerdings erwischte es die damalige Pollenpfote doch recht heftig, einige Krieger schützten Kinderstube und den Ältestenbau und die restlichen Krieger stürzten sich in den Kampf. Dennoch war das Überraschungsmoment auf der Seite des BlitzClans, wir wurden zurückgedrängt. Ich glaube, wir haben die Schlacht nur ausgleichen können, weil wir mehr Katzen zum Kämpfen zur Verfügung hatten.“

„Und? Hast du auch gekämpft?“, fragte Fichtenjunges ehrfürchtig.

Girschwurzel zuckte mit einem Ohr. „Natürlich! Ich war damals zwar schon Älteste, aber kämpfen konnte ich noch! Ich war damals, glaube ich, in einen Kampf mit Sesamblüte verwickelt. Allerdings schafften wir es, fast die gesamte Schlacht durch miteinander zu kämpfen. Keiner von uns war wirklich besser als der andere, aber keine wollte auch aufgeben.“

„Also war sie gut?“, hakte Wolfsjunges nach.

Girschwurzel nickte. „Sie war eine junge, starke Kriegerin, schnell und gewandt.“

„Ja, stimmt, ich erinnere mich. Ihr habt durchgehend gekämpft.“ Blütenschweif war aus dem hinteren Teil des Baus zu ihnen gekommen.

„Hast du auch gekämpft?“, überfiel Fichtenjunges die Älteste sofort.

Blütenschweif ließ sich neben Girschwurzel nieder. „Indirekt. Ich habe den Ältestenbau gemeinsam mit Pfirsichblüte verteidigt.“

„Seid ihr angegriffen worden?“, hakte Wolfsjunges sofort nach.

Blütenschweif überlegte kurz. „Ja, ich glaube schon, wenn mich mein Gedächtnis nicht täuscht. Von Sperberfuß.“

„Habt ihr gewonnen?“

„Es war ein hartes Stück Arbeit, Sperberfuß ist ein sehr kräftiger Kater, aber zu zweit waren wir besser.“

Wolfsjunges staunte. „Ich will auch kämpfen!“, miaute er bestimmt.

Girschwurzel schnurrte belustigt. „Typisch Jungkatzen. Wild auf Abenteuer und Kämpfe. Wolfsjunges, du wirst noch mehr zu kämpfen und zu jagen haben als dir lieb ist. Glaub’ mir. Jetzt glaubst du noch, Kämpfe und Patrouillen wären etwas Einzigartiges. Aber später ist es Routine und eine tägliche Gewohnheit.“

„Dennoch macht es dann doch Spaß!“, warf Wolfsjunges aufgeregt ein. „Ich freue mich jetzt schon darauf! Mir werden Patrouillen sicher nicht langweilig!“

Girschwurzel schnurrte wieder. „Eines muss man aber neidlos anerkennen, der Optimismus ist den Jungen nicht zu nehmen“, miaute sie an Blütenschweif gewandt.

Die schildpattfarbene Kätzin stimmte ihr schmunzelnd zu. „Schwanenpfote wird sich freuen, einen enthusiastischen Mithelfer zu haben.“

„Und eine Mithelferin!“, quiekte Fichtenjunges dazwischen.

„Und eine Mithelferin“, bestätigte ihr Girschwurzel.

„Wolfsjunges! Fichtenjunges! Kommt ihr? Ich soll euch von Rosensprung ausrichten, dass sie euch ihre Jungen zeigen wird!“

Die beiden Geschwister sahen sich aufgeregt an.

Wolfsjunges sah Blütenschweif und Girschwurzel vorsichtig an.

„Geh nur, geh nur“, zwinkerte ihm Blütenschweif zu. „Ich würde so was auch nicht verpassen wollen.“

Fichtenjunges’ Augen leuchteten. „Danke!“, miaute sie und düste aus dem Ältestenbau.

Wolfsjunges folgte ihr schnell.

 

„Da seid ihr ja“, schnurrte Rosensprung, als Wolfsjunges hinter Fichtenjunges die Kinderstube betrat.

„Wo sind sie denn?“, fragte Wolfsjunges aufgeregt.

„Wolfsjunges! Wo ist denn dein Benehmen geblieben!? Sei nicht so direkt!“, miaute Funkenflug scharf und versetzte ihm einen Klaps mit ihrem Schweif über den Kopf.

„Lass nur“, schnurrte Rosensprung. „Ich wäre ja auch so aufgeregt.“ Dann zog sie vorsichtig ihren Schweif zurück und gab die Sicht auf zwei kleine Kätzchen frei. „Das hier ist Zunderjunges.“ Die Königin wies mit der Schwanzspitze kurz auf einen kleinen, dunkelbraunen Kater mit helleren Streifen.

Wolfsjunges staunte. „Der ist aber klein!“

Rosensprung schnurrte wieder. „Er wächst ja auch noch. Genau wie du.“

Ja! Genau wie ich!

„Und das hier ist Libellenjunges.“ Nun deutete sie auf eine etwas größere, schwarze Kätzin, die dicht gedrängt an Rosensprungs Flanke lag.“

„Wieso hat sie denn ihre Augen noch nicht geöffnet? Ist sie krank?“, fragte Fichtenjunges verwundert.

„Nein, das ist normal. Das dauert bei jedem Jungen eine gewisse Zeit“, kam die Antwort von Rosensprung. Dann bedeckte sie die zwei Kätzchen wieder mit ihrem Schweif. „Sie brauchen jetzt Schlaf“, fügte sie hinzu.

„Schlaf? Jetzt schon?“

Funkenflug seufzte und schnurrte gleichzeitig: „Ach, Wolfsjunges. Sie sind doch viel jünger als du. Sie müssen nun mal viel schlafen. Und deshalb lassen wir sie jetzt auch in Ruhe.“ Mit diesen Worten sammelte sie Wolfsjunges und Fichtenjunges mit dem Schweif ein. „Spielt doch gemeinsam etwas.“

Fichtenjunges sah enttäuscht drein. „Aber… War es das schon?“

„Tut mir leid, aber ja. Aber ich bin mir sicher, wenn sie erst einmal größer sind, werden sie euch anbetteln, mit euch spielen zu dürfen“, zwinkerte Rosensprung ihr zu.

Fichtenjunges’ Blick hellte sich etwas auf. „Ja! Dann werden wir ihnen gemeinsam das Lager zeigen!“

Wolfsjunges nicke heftig. „Genau! Sie werden viel Spaß mit uns haben!“

Rosensprung schnurrte wieder. „Davon bin ich überzeugt.“

 

 

 

Kapitel 5

 

Wolfsjunges schlich misstrauisch umher. Geduckt sah er immer wieder in alle Richtungen. Dann sprang ihn plötzlich eine kleine, braune Gestalt an.

„Der MondClan greift uns an!“, quiekte der Angreifer! „Hilf mir!“

Dann sprang ihn noch eine weitere Gestalt an, ihr Fell schimmerte schwarz leuchtend. Gespielt keuchend ließ Wolfsjunges sich fallen, die zwei Angreifer quietschten vergnügt.

„Einen haben wir, da ist noch ein Eindringling!“ Mit diesen Worten ließen Zunderjunges und Libellenjunges von Wolfsjunges ab und warfen sich nun auf Fichtenjunges, welche sich einen kurzen Scheinkampf mit ihnen lieferte und sich dann ebenfalls fallen ließ. „Sieg!“, quiekte Zunderjunges.

Wolfsjunges schnurrte kurz und kam dann auf die Pfoten.

Zwei weitere Monde waren vergangen und Zunderjunges und Libellenjunges waren nun größer und verspielt.

„Noch einmal!“, rief Libellenjunges und hopste um Wolfsjunges und Fichtenjunges herum.

„Noch einmal?“, fragte Fichtenjunges belustigt. „Wir spielen den MondClan Angriff doch jetzt schon das vierte Mal.“

„Aber er macht so Spaß!“, kam die Begründung von Zunderjunges.

„Genau!“ Libellenjunges sah die beiden Geschwister mit großen, blauen Augen an.

„Wolfsjunges! Fichtenjunges!“ Funkenflug war plötzlich aus dem Heilerbau gekommen.

Wolfsjunges drehte sich zu ihr um. „Ja?“

„Was ist?“, fügte Fichtenjunges hinzu.

Statt einer Antwort begann Funkenflug mit einer ordentlichen Fellpflege der beiden jungen Katzen.

„He! Was ist denn?! Ich kann mich selbst putzen!“, maulte Wolfsjunges und duckte sich weg.

Funkenflugs Zunge folgte ihm unbarmherzig, jedoch widmete sich die Kätzin danach Fichtenjunges, die ebenfalls meckerte.

„Was ist denn?“, verlangte sie zu erfahren.

Funkenflug ließ von ihrer Tochter ab. „Ja, das müsste genügen“, miaute sie zufrieden.

„Mama! Was ist los?“, miaute Fichtenjunges genervt und gleichzeitig gespannt.

„Alle Katzen, die alt genug sind, um Beute zu machen, rufe ich auf, sich hier zu einem Clantreffen zur versammeln!“

Wolfsjunges erschrak, als er Mardersterns Ruf hörte.

„Was will er?“, fragte er Funkenflug.

Diese schnurrte. „Komm doch mit, finden wir es heraus.“ Dabei sah sie jedoch recht wissend aus.

Wolfsjunges folgte seiner Mutter auf die weite Sandfläche unter Mardersterns Bau, Fichtenjunges folgte wiederum ihm.

Mittlerweile waren immer mehr Katzen aus ihren Bauen aufgetaucht und auf die Lichtung gegangen, wo sie nun gespannt zu Mardersterns sahen.

Dieser sprang gerade zu den Wartenden herunter. „Etwa fünf Monde sind seit der letzten Schülerzeremonie vergangen.“

Wolfsjunges und Fichtenjunges wechselten gespannte Blicke.

„Nun ist es an der Zeit, dass wieder einmal Jungen zu Schülern werden.“

Fichtenjunges zitterte vor Aufregung, Wolfsjunges bemerkte aus dem Augenwinkel, wie Schwanenpfote erleichtert ausatmete.

„Fichtenjunges, Wolfsjunges, tretet bitte vor!“

„Ich glaube es nicht!“, quietschte Wolfsjunges und stolperte auf Marderstern zu. Aufgeregt stand er vor seinem Anführer, Fichtenjunges neben ihm.

Marderstern sah freundlich auf die beiden herab, dann nickte er leicht in die Richtung von Fichtenjunges und miaute: „Fichtenjunges, du bist nun fast sechs Monde alt und es ist an der Zeit, um mit deiner Ausbildung zu beginnen. Von diesem Tag an, bis diese Schülerin sich ihren Kriegernamen verdient hat, wird sie Fichtenpfote heißen. Ich bitte den SternenClan, über diese Schülerin zu wachen, bis sie in ihren Pfoten die Kraft und den Mut einer Kriegerin findet.“

Fichtenpfotes Augen leuchteten. Es fiel ihr sichtlich schwer, still zu stehen.

Dann wandte Marderstern sich an Adlerfeder: „Adlerfeder, du bist nun bereit, einen Schüler auszubilden. Du wurdest von Algenwuchs hervorragend ausgebildet und du hast bewiesen, dass du stark und mutig bist. Du wirst die Mentorin von Fichtenpfote sein und ich bin überzeugt davon, dass du dein Wissen an sie weitergeben wirst.“

Adlerfeder schien vor Stolz gleich zu platzen.

„Nun berührt euch gegenseitig mit den Nasen.“

Fichtenjunges ging sichtlich aufgeregt zu Adlerfeder und berührte deren Nase mit der eigenen.

„Wolfsjunges, auch du bist nun bereit, ein Schüler zu werden. Von diesem Tage an wirst du Wolfspfote heißen, bis du dir deinen Kriegernamen verdient hast.“ Marderstern blickte nun zu Tannenfell. „Tannenfell, du bist ein starker Krieger und wurdest von Felskralle hervorragend ausgebildet. Du wirst der Mentor von Wolfspfote sein, gib dein Wissen an ihn weiter und lehre in gut.“

Was?! Warum musste gerade Tannenfell mein Mentor werden, wenn er mich schon mal so angefahren hat?

„Tausche auch du nun den Nasengruß mit deinem Mentor“, miaute Marderstern.

Nur zögernd ging Wolfspfote zu dem kräftigen Tigerkater, dieser sah ihn jedoch freundlich an.

Nachdem Wolfspfote Tannenfell Nase an Nase begrüßt hatte, rief Marderstern: „Nun begrüßt unsere neuen Schüler.“

„Fichtenpfote, Wolfspfote, Fichtenpfote, Wolfspfote!“, rief der Clan immer wieder.

In diesem Moment vergaß Wolfspfote seinen Missmut darüber, dass Tannenfell sein Mentor war, er reckte einfach nur stolz den Kopf, Fichtenjunges tat es ihm gleich.

 

Kurz darauf löste sich die Versammlung auf und Wolfspfote und Fichtenpfote waren gleich zu ihren Eltern gedüst.

„Ich bin so stolz auf euch“, hatte ihr Vater gesagt und war aus dem Schnurren gar nicht mehr herausgekommen.

„Ich kann es kaum erwarten, Krieger zu werden!“, hatte Wolfspfote hinzugefügt.

„Fichtenpfote!“

„Wolfspfote!“

Ihre Mentoren hatten gerufen und so waren die beiden Schüler zu ihnen gegangen.

„Wir zeigen euch jetzt das Territorium und die Grenzen“, miaute Tannenfell.

„Super!“, quietschte Fichtenpfote.

„Und wann üben wir das Kämpfen?“, fragte Wolfspfote.

„Immer mit der Ruhe“, schnurrte sein Mentor. „Alles zu seiner Zeit.“

„Jetzt kommt erstmal“, miaute Adlerfeder. Mit diesen Worten rannte sie aus dem Lager und hielt ein ordentliches Tempo vor. Tannenfell sprintete ihr sofort hinterher.

Schnell! Wolfspfote spannte die Muskeln an und jagte seinem Mentor hinterher. Dieser und Adlerfeder hatten allerdings nicht weit entfernt angehalten und warteten auf die beiden Schüler.

„Ah, da seid ihr ja“, miaute Adlerfeder, als Wolfspfote und Fichtenpfote in einer Staubwolke abbremsten.

„Wir werden jetzt zur Grenze gehen und ihr dann folgen. So werdet ihr die Territorien der anderen Clans kennen lernen. Danach zeigen wir euch auf dem Rückweg ausführlich unser Territorium.“

„Au ja!“, rief Wolfspfote.

Tannenfell schnippte mit dem Schweif: „Mir nach!“ Der getigerte Kater lief los, Adlerfeder folgte ihm, dann die beiden Schüler.

Wolfspfote jagte hinter seiner Schwester durch den Wald, Sträucher, grüne Bäume und dichtes Unterholz zogen an ihm vorbei. Ich bin ein Schüler des SturmClans! Er setzte über einen Ast, der quer auf ihrem Weg lag. Und Nichts hält mich auf!

„Da wären wir!“, rief Adlerfeder, verlangsamte das Tempo und stoppte schließlich ganz. „Seht ihr dort das felsige Gelände?“

Die beiden Schüler nickten.

„Dort lebt der BlitzClan“, setzte Tannenfell die Erklärung fort. „Die Katzen des BlitzClans können ganz besonders gut klettern. Deshalb ist ihnen vom SternenClan diese felsige und bergige Landschaft als Territorium zugewiesen worden.“

„Da jeden Tag rumklettern? Das machen die Pfoten doch keinen Mond lang mit!“, rief Wolfspfote halb entsetzt.

Tannenfell schnurrte belustigt: „Der BlitzClan kommt damit wohl sehr gut zurecht. Sie fragen sich wahrscheinlich auch, wie wir nur im flachen Wald mit all dem Unterholz vernünftig leben können.“

„Pf. Lieber Unterholz als Berge“, miaute Fichtenpfote trotzig.

„Unser Territorium wird durch diesen Gebirgsfluss von dem des BlitzClans getrennt.“ Adlerfeder wies mit dem Schwanz auf ein kleineres Gewässer, das ruhig plätscherte und in einem Bett den Berg hinunterfloss. „Hier bringen wir auch unsere Duftmarken an, um unser Territorium abzugrenzen.“

„Das werdet ihr auch noch lernen. Also Duftmarken zu setzen und fremde Duftmarken oder die der anderen Clans zu identifizieren.“

Fichtenpfote nickte aufgeregt.

„Aber los jetzt, wir haben noch einen weiten Weg vor uns.“

 

Es war schon nach Sonnenhoch, als Fichtenpfote, Wolfspfote und ihre Mentoren wieder das Lager betraten. Wolfspfote war ganz außer sich vor Aufregung. „Ich hätte nie gedacht, dass unser Territorium so groß ist!“, miaute er seiner Schwester aufgeregt zu.

Diese nickte zustimmend. „Ja! Der Wald reicht so weit, und dann haben wir ja sogar noch den kleinen See mit den ganzen Felsen drum herum! Aber die Territorien der anderen Clans waren auch interessant. Auch wenn ich da nicht würde leben wollen.“

Wolfspfote nickte zustimmend: „Vor allem das MondClan Territorium. Überall nur Moor und Felsen.“ Ihm schauderte.

„Das Territorium des SonnenClans war ja noch ganz in Ordnung, mit dem hohen Gras und dem wilden Weizen. Aber die Sonne scheint da so ungestört drauf. Ich verstehe nicht, wie die da leben können.“

„Eher wollen!“, fügte Wolfspfote hinzu.

„Machen wir heute noch etwas?“, fing Fichtenjunges Adlerfeder ab, die gerade in Richtung Kriegerbau ging.

„Erstmal nicht. Aber ihr könnt den Ältesten noch etwas Frischbeute bringen.“

Fichtenpfote sah nicht gerade begeistert aus. „Müssen wir?“

„Ja, müsst ihr. Das gehört auch zum Schülersein“, miaute Tannenfell.

Fichtenpfote seufzte. „Los, Wolfspfote, komm.“

Dieser nickte. „Was bringen wir ihnen denn?“, fragte er, als sie am Frischbeutehaufen angelangt waren.

Fichtenpfote zuckte mit den Schultern. „Keine Ahnung. Eine Amsel?“

„Probieren wir es.“

Fichtenpfote nahm eine besonders fette Amsel mit dem Maul auf und ging Richtung Ältestenbau.

„Warte! Ich nehme auch noch etwas mit“, miaute Wolfspfote. „Lieber zu viel als zu wenig. Bevor Algenwuchs wieder meckert.“

Fichtenpfote nickte. „Besser wäre das.“

Wolfspfote wählte nach kurzem Suchen eine Maus aus und ging dann zu Fichtenpfote. „Wir können.“

 

„Ah, da sind ja die neuen Schüler des SturmClans“, schnurrte Eibenblatt.“

„Und sie haben uns etwas mitgebracht, wie ich sehe!“, bemerkte Blütenschweif freudig.

Wolfspfote nickte und legte die Maus ab.

„Bring die bitte Algenwuchs. Soweit ich das beurteilen kann, müsste er Hunger haben“, miaute Girschwurzel und zwinkerte ihm zu.

Warum der?!

„Na gut“, antwortete Wolfspfote, bemühte sich aber um einen gewissen genervten Unterton. Er hob die Maus wieder auf und ging in den hinteren Teil des Baus, wo er Algenwuchs liegen sah. „Algenwuchs?“, miaute er vorsichtig. „Ich habe hier eine Maus für dich…“

„Hm?“ Algenwuchs sah zu ihm. „Ah, du bist es, Wolfspfote. Danke, das ist nett von dir.“

Wolfspfote legte ihm die Maus vor die Pfoten.

„Du bist jetzt also Schüler. Wurde dir schon das Territorium gezeigt?“, fragte Algenwuchs, bevor er in die Maus biss.

Wolfspfote nickte. „Mir und Fichtenpfote von Tannenfell und Adlerfeder.“ Er war verwundert wegen Algenwuchs’ plötzlicher Freundlichkeit.

„Ah. Sind gute Krieger, die beiden.“

„Du hast Adlerfeder ausgebildet, oder?“

Algenwuchs nickte.

„Wie ist es so als Mentor?“

Algenwuchs schwieg kurz, dann antwortete er: „Es ist ein hartes Stück Arbeit, aber schlussendlich ist man stolz, wenn der eigene Schüler zum Krieger ernannt wird.“

„Und? Wie war Adlerfeder so als Schülerin?“

„Wie meinst du das?“, hakte Algenwuchs nach.

„Wie sie sich verhalten hat. Hat sie Fehler gemacht?“

Algenwuchs schnurrte kurz. „Du machst dir darüber Sorgen, was passiert, wenn du Fehler machst oder bei einer Aufgabe scheiterst, stimmt’s?“

Wolfspfote trat verlegen von einer Pfote auf die andere: „Jaaa…“

„Keine Sorge. Jeder macht Fehler. Und du wirst nicht dafür bestraft werden. Denn aus Fehlern lernt man. Wenn du einen machst, weißt du, wie du es besser machen kannst. Und wenn du es nicht weißt, frag’ deinen Mentor, dazu hast du ihn schließlich. Aber um auf deine Frage zurückzukommen: Sie war sehr enthusiastisch, lebhaft und lernte schnell. Natürlich hat sie Fehler gemacht, aber sie hat sich bemüht, sie das nächste Mal zu verhindern. Sie war eine gute Schülerin.“

„Glaubst du…“ Wolfspfote brach ab.

„Glaube ich was?“, fragte Algenwuchs und sah ihn aufmunternd an,

„Glaubst du…“ Wolfspfote leckte sich verlegen das Brustfell, „Glaubst du, dass ich ein guter Schüler sein werde?“

Algenwuchs tippte ihm mit der Schwanzspitze auf die Schulter. „Das weiß ich nicht. Das weißt nur du. Glaube immer an dich selbst, glaube, dass du es schaffst, und du wirst es auch schaffen. Verliere niemals dein Selbstvertrauen. Und – sei aufmerksam und lerne!“

Wolfspfote blinzelte: „Das werde ich. Ich verspreche es.“

„Dann wirst du ein guter Schüler und ein guter Krieger sein. Glaube mir!“

Wolfspfote schnurrte leise: „Danke.“

„Keine Ursache“, miaute Algenwuchs.

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